Jake Banfield im Interview: „Bringt eure Party-Boots mit!“

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Jake Banfield hat nicht nur diesen Fashion-Tipp, sondern gibt im exklusiven Interview vor dem C2C Festival in Berlin Einblicke in seine musikalische Welt.

Vom Point Guard zum Country-Phänomen: Jake Banfields Weg verlief alles andere als geradlinig. Bevor er mit Hits wie „Lasso“ Millionen von Streams sammelte, träumte der Musiker aus Oklahoma von einer Profikarriere im Basketball. Doch durch eine schwere Knieverletzung nahm sein Leben eine andere Wendung. Ans Bett gefesselt, griff er zur Gitarre aus einem Pfandleihhaus und brachte sich das Spielen über YouTube selbst bei. Den Frust über das Karriere-Aus verwandelte er in Musik, wobei er Einflüsse aus Kirchenliedern, 80er-Metal, 90er-Hip-Hop und modernem Pop zu einem völlig eigenen Sound verschmolz.

Was als Therapie begann, wurde über TikTok zum viralen Erfolg. Nach Stationen in L.A., wo er für Popstars wie Madison Beer und Little Mix schrieb, fand Jake Banfield in Nashville seine musikalische Heimat. Mit seinem Mega-Hit „Lasso“, einer Mischung aus Country-Roots und Hip-Hop-Beats, gelang ihm der endgültige Durchbruch mit über 22 Millionen Streams in nur zwei Monaten. Mit seinem Debütalbum „Open Bars“ beweist er nun die gesamte Bandbreite seines Talents, von energiegeladenen Bar-Hymnen bis hin zu hochemotionalen Balladen.

Kurz vor seinem Auftritt beim C2C Festival in Berlin haben wir mit Jake Banfield über seinen ungewöhnlichen Werdegang und seine Pläne in Deutschland gesprochen.

Ein „Lasso“ brachte für Jake Banfield den Durchbruch

CNTRY: Du hattest in letzter Zeit einen richtigen Lauf, von Tourneen in den Staaten bis nach Australien und jetzt steuerst du direkt auf Deutschland zu…

Jake Banfield: Oh Ja! Es war wirklich cool, die verschiedensten Ecken der Welt zu sehen. Ich durfte Australien sehen, was sehr viel Spaß gemacht hat. In letzter Zeit war ich ein wenig in den Staaten unterwegs. Und ich war bisher noch nicht in Deutschland oder überhaupt in Europa. Die Vorfreude ist dementsprechend groß.

Du wirst bald beim C2C Berlin auf der Bühne stehen. Die deutschen Country-Fans sind dafür bekannt, unglaublich aufmerksam zu sein, sind aber auch sehr textsichet. Bist du auf ein Publikum vorbereitet, das vielleicht lieber deine „Deep Cuts“ hören möchte?

Das wäre großartig. Sie stehen wahrscheinlich nicht auf der Setlist, aber wenn ihr bestimmte Songs hören wollt, verspreche ich euch, dass ich die sie anstimme. Ich habe schon gehört, dass das passieren könnte.

Du wirst hier hauptsächlich akustisch spielen, oder?

Genau. Das mache ich momentan in den Staaten auch viel im Vorprogramm für einige Künstler und freue mich darauf, das zu euch zu bringen.

Wie wird deine Setlist aussehen?

Ich werde sie bestimmt immer wieder ändern. Ich werde Material von meinem Album spielen, ein paar ältere Stücke, außerdem einige Cover-Songs aus meiner Heimat. Es soll abwechslungsreich bleiben. Aber ich mag Energie. Einige der Songs sind zwar etwas langsamer, aber sie können ziemlich cool werden, besonders wenn die Leute mitsingen.

Bei all dem Reisen auf Tour… Was ist die eine Sache, die in deinem Koffer nicht fehlen darf?

Ich habe immer Deodorant, Kaugummi und Kopfhörer dabei.

Und was ist, wenn dein Koffer am Flughafen verloren geht? Evan Honer hatte erst kürzlich das Vergnügen, hier fast zwei Wochen ohne Koffer unterwegs zu sein.

Das wäre brutal! Das ist mir einmal in San Francisco passiert und ich musste mir Drogerieartikel und Unterwäsche besorgen. Das macht keinen Spaß. Ich hoffe, dass das nicht passiert.

Wird es nicht, da bin ich mir sicher! Gibt es neben deinen Auftritten etwas, worauf du dich in Deutschland besonders freust? Typisches Essen oder lokale Biere der „Open Bars“?

Definitiv die Brauereien! Ich probiere immer gerne neue Biere oder Weine aus. Sobald ich mit dem Singen fertig bin, steht das auf jeden Fall auf der Liste. Natürlich auch die Kultur und Geschichte. Mein Vater, mein Opa, meine Onkel sind alle Geschichtslehrer. Wenn du in einer geschichtsinteressierten Familie aufwächst, strahlt das natürlich auf dich ab. Ich freue mich darauf, Deutschland zu erkunden und zu erleben, wie es dort ist.

„Die Musik war beim Sport immer in meinen Ohren.“

– Jake Banfield
Jake Banfield, Foto: Rachel Deeb

Viele der Bühnen beim C2C befinden sich in Bars oder Restaurants, das lokale Bier ist also nicht weit entfernt!

Großartig. Das ist fantastisch, das wusste ich gar nicht.

Apropos Bars… Dein Debütalbum heißt „Open Bars“. Darauf findet sich eine große Bandbreite an verschiedensten Country-Stilen. Man hört nicht nur deine R&B-Einflüsse, sondern auch Pop-Klänge und sogar Banjos. Wie hast du all diese verschiedenen Stile zusammengebracht?

Das hast du auf den Punkt gebracht. Ich bin mit so vielen verschiedenen Musikrichtungen aufgewachsen und später war die Musik beim Sport immer in meinen Ohren. Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich das mal beruflich mache. Das Singen wurde mir durch die Kirche in die Wiege gelegt. Aber ich erinnere mich daran, wie ich mit 80er-Jahre Hair-Metal-Bands, 90er R&B, Country aus den 2000ern bis -10ern und Hip-Hop aufgewachsen bin. Sogar Reggae und etwas EDM habe ich gehört. Zugegeben ließ ich alles auf meine Ohren. Dann verletzte ich mich im College beim Basketball und wollte die Musik-Sache einfach mal ausprobieren. All diese Einflüsse sprudelten dann aus mir heraus. Mit meinem Debütalbum wollte ich schließlich diese Vielseitigkeit beweisen. Und ich glaube, das haben wir geschafft. Denn ich habe versucht, dem treu zu bleiben, wer ich bin.

Lass uns in die Tracklist von „Open Bars“ eintauchen. Gibt es einen Song, der dich am meisten aus deiner Komfortzone geholt hat?

Ich würde sagen der letzte Song auf dem Album, „Thought of You“. Dieser Song erzählt eine Geschichte, die ich selbst erlebt habe. Klar schreibe ich manchmal über mein Privatleben, oder über mentale Gesundheit. Ein Thema, dass mir besonders am Herzen liegt. Aber in diesem Song geht es um eine gescheiterte Beziehung. Eigentlich mag ich es gar nicht, meine Beziehungsangelegenheiten öffentlich zu machen. Aber ich musste diese Geschichte einfach erzählen. Das war zwar am Anfang etwas unangenehm, aber nachdem wir mit dem Schreiben und Aufnehmen fertig waren, fühlte ich mich viel besser. Sollte es in mir nochmal so aussehen, würde ich es auf die gleiche Weise verarbeiten. Außerdem hat der Song sehr hohe Töne, für die ich beim Performen jedes mal meine Komfortzone verlassen muss. Ein echter „Deep Cut“ und eine ehrliche Geschichte.

Mit RaeLynn veröffentlichte Jake Banfield „Before I Live“

Dann gibt es das Duett mit der fantastischen RaeLynn: „Before I Live“. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen?

Ich hatte den Song schon vor längerer Zeit gemeinsam mit ein paar Kumpels geschrieben. Dann bekam ich ihn vom Tontechniker zurück und ich hatte sofort das Gefühl, das etwas fehlt. Da war einfach dieses Gefühl, dass eine weibliche Stimme fehlt. RaeLynn’s Musik kenne ich schon aus meiner Zeit im und der High School, daher war mir Klar, dass ihre Stimme auf der zweiten Strophe fantastisch klingen würde. Also haben wir ihr einfach den Song geschickt. Zum Glück hat sie geantwortet und den auf ein anderes Level gehoben.

Wir müssen noch über deinen Durchbruch-Hit „Lasso“ sprechen. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du gemerkt hast, dass das Ding steil geht?

Das war während eines Konzertes in Nashville. Der Song sollte drei Tage später erscheinen und ich wollte ihn erstmals live performen. Dann meldete sich ein ehemaliger Teamkollege aus dem College bei mir, dass er vorbeikommen wolle. Er lebt nicht dort, er war nur zu Besuch und wusste nichts von meinem Konzert. Ich schrieb ihm einfach: „Bro, ich spiele heute Abend ein Konzert, komm’ doch vorbei!“ Er meinte, dass er seine Leute mit bringt. Ich dachte an zwei oder drei Freunde. Am Ende waren sie zu zwölft. Alle waren sie beim Konzert und der Funke sprang einfach über. Zum Glück haben wir all das mit der Kamera festgehalten. Wie gesagt, der Song war noch nicht draußen, aber als ich sah, wie jeder von ihnen eine gute Zeit hatte, wusste ich, dass das viral gehen wird. Der Song macht einfach Spaß, deswegen verbindet er die Menschen. Das Timing war auch perfekt. Der Song kam zum Spring Break raus, genau die Zeit, zu der sich  die Leute sich auf warmes Wetter, Sommer, Strand und Drinks freuen. Ich würde das gerne nochmal wiederholen. Und ich habe einen Song in der Pipeline, der ziemlich ähnlich ist.

Nachdem du „Lasso“ veröffentlicht hattest, fingen Leute auf TikTok an, Line Dance Videos zum Song zu posten. Dabei gibt es gar keinen offiziellen Tanz dafür. Anders, als etwa Dasha „Austin“ veröffentlichte… 

Das war wirklich verrückt. Wirklich jede Region hat ihren eigenen Tanz dazu. Es gibt einen Arizona-Line-Dance, einen Tennessee-Line-Dance, einen in Australien und bestimmt auch einen in Deutschland. Es ist unglaublich, all diese verschiedenen Tänze zu sehen, denn sie sind alle wirklich stark.

„Du musst immer am Start sein, deine Aufgaben erledigen und Disziplin zeigen.“

– Jake Banfield

Du hast diesen viralen Moment genutzt und deine TikTok-Follower zu einer loyalen Fangemeinde gemacht. Wie hast du das geschafft?

Beständigkeit. Du musst viel Musik veröffentlichen. Es ist nicht so, dass ich diesen viralen Moment hatte und dann für ein Jahr verschwunden bin. Ich bringe konstant neue Musik heraus, Wir haben dieses Jahr bereits drei Songs rausgehauen und es ist erst Februar. Außerdem schätze ich jeden, der zu meinen Konzerten kommt. Ich mache Meet-and-Greets nach den Shows. Ich nehme mir die Zeit für Fotos, zum Reden oder um Dinge zu signieren. Manchmal trinke ich auch einfach ein Bier mit den Fans. Ich möchte, dass die Fans merken, dass sie mir wichtig sind. Denn ich schätze ihre Unterstützung mehr als alles andere. Wenn sie dann nach Hause gehen und ihren Fans erzählen: „Der Typ kümmert sich.“ Dann ist das ein konstanter Faktor. Aber das ist kein Geheimnisrezept, sondern einfach eine Frage des Charakters.

Wie viel von der Athleten-Disziplin aus deiner Basketball-Zeit hast du mit in die Musikwelt genommen?

Ich war zwar nervös, aus dem Blauen mit der Musik anzufangen, doch es ähnelt sich sehr. Du musst immer am Start sein, deine Aufgaben erledigen und Disziplin zeigen. Du gehst wie im Sport zum Training, nur das du am Gesang und der Gitarre lernst. Du darfst nie aufgeben und musst immer weitermachen. Dann lieferst du mit Sicherheit eine gute Show ab.

Was macht Musik für dich kraftvoller als Sport?

Du kannst Menschen nur durch Worte berühren. Du kannst Menschen durch Songs aus einer schwierigen Lage befreien, nicht nur dich selbst aus einem Spielzug. Mit Sport kannst du zwar Menschen zu unterhalten, nicht aber am Herz berühren. Musik kann Geschichten erzählen und heilen, das ist der entscheidende Punkt.

Wenn „Lasso“ dein Breakout Play“ war und  „Open Bars“ das Highlight der Saison. Was wäre dein bester „Slam Dunk“, den du für dieses Jahr auf Lager hast?

Es ist ziemlich viel neue Musik auf dem Weg. Wenn es wieder wärmer wird, könnte euch ein neues Album voller Spaß, Energie, Partystimmung und „Lasso“-Vibes erwarten. Wir wollen die gute Zeit aufrecht erhalten. Ich freue mich riesig auf diese Musik. Ich mag es, Country-Texte mit Hip-Hop-Tracks zu kreuzen. Da prallen meine zwei Welten aufeinander. Ihr werdet euch also hoffentlich nicht langweilen.

Hast du zum Abschluss noch ein paar Worte für deine deutschen Fans, bevor sie dich nächsten Monat sehen?

Ich freue mich so sehr darauf, die Kultur und die Menschen zu sehen. Ich kann es kaum erwarten. Wusstet ihr, das ich einen Country-EDM-Song mit dem deutschen DJ CARSTN herausgebracht habe? Das Feedback zu „Forever Can Wait“ war unglaublich. Diesen Support aus Deutschla mitzubekommen, war fantastisch. Ich freue mich darauf, endlich für euch zu spielen, euch kennenzulernen und gemeinsam das ein oder andere Bier zu trinken. Lasst uns zusammen abzuhängen. Wenn ihr mich seht, denkt dran: Ich beiße nicht! Kommt vorbei und sagt Hallo. Bringt eure Party-Boots mit, die Shows werden energiegeladen, auch mit der Akustikgitarre. Bereitet euch auf eine gute Zeit vor. Und bloß nicht schüchtern sein!

Deal! Wir sehen uns beim Festival.

Jake Banfield könnt ihr vom 06. bis 08. März live beim C2C Festival in Berlin erleben. Tickets gibt es hier.

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