Die Kruse Brothers sprechen über ihr Debütalbum, Honky-Tonk-Wurzeln und den anstehenden Auftritt beim C2C Festival in Berlin.
Normalerweise ist die Music Row in Nashville für aufstrebenden Musiker die gewählte Ausbildungsstätte. Doch Chandler und Miles Kruse sind alles andere als gewöhnlich. Das Brüder-Duo bricht die Grenzen des Country-Genres auf und injiziert ihm eine ordentliche Dosis Blues und Rock. Unterstützt von ihrer erstklassigen Band – Mike Griffith (Lead-Gitarre), Casey Barras (Schlagzeug) und Josh Johnson (Gitarre/Bass) – erschaffen sie einen Sound, der technische Brillanz mit tiefem, ehrlichem Gefühl vereint.
In der Szene gelten The Kruse Brothers bereits als einer der innovativsten Acts, da sie Traditionelles mit frischen, aufregenden Elementen verschmelzen. Kurz nach dem Release ihres heiß ersehnten Debütalbums „Heartbreak & Honky-Tonk“ und pünktlich vor ihrem Auftritt beim C2C Festival in Berlin, haben wir uns mit den beiden unterhalten.
Wir sprachen über ihre Zeit an der „Country Music University“, warum ein Cowboy ihre Muse ist und was sie von ihrem ersten Besuch in der deutschen Hauptstadt erwarten.
„White On The Ground“ war für The Kruse Brothers der Türöffner
CNTRY: Wie geht es euch? Wie läuft euer Jahr bisher?
Miles: Uns geht es hervorragend. Wir waren dieses Jahr schon viel unterwegs. Der Januar war ein ziemlich verrückter Monat, während dem wir nur eine Handvoll Tage zu Hause waren. Aber wir hatten eine tolle Zeit auf Tour. Jetzt geht unsere erste kleine Headliner-Tour. Währenddessen bereiten wir uns schon mal darauf vor, zu euch zu kommen. Das können wir kaum erwarten! Wir starten das Jahr also mit einem Paukenschlag!
Und euer Debütalbum ist nun über einen Monat draußen. Wie waren die Reaktionen darauf?
Chandler: Es war großartig. Das war natürlich eine große Sache für uns. Wenn man Musik veröffentlicht, besonders unabhängig, hofft man immer, dass sie bei den Leuten ankommt. Wie Miles sagte, sind wir gerade auf unserer ersten Headline-Tour. Das ist die erste Reihe von Shows, bei denen all diese Songs, die wir nun schon eine Weile spielen, veröffentlicht sind, sodass die Leute sie sich anhören können. Es hat Spaß gemacht zu sehen, wie die Leute auf die Musik reagieren und die Songs mitsingen, da sie endlich draußen sind. Die Resonanz war überwältigend positiv.
Das erste Album ist für eine Band wie eine Visitenkarte. Welche Aufgaben hat bei der Arbeit daran jeder von euch übernommen?
Miles: Wir arbeiten sehr kollaborativ. Es gibt bestimmte Songs auf dem Album, die nur Chandler oder nur ich geschrieben hat. Viele haben wir zusammen geschrieben und dann gibt es einige Songs, die mit Freunden in Nashville entstanden sind. Wir haben sehr gemeinschaftlich an diesem Album gearbeitet, was den Prozess so besonders gemacht hat. Wir sind in den Honky-Tonks von Arizona großgeworden, sie waren für uns die „Country Music Universität“. Dort haben wir gelernt Musik zu machen und wie es ist, mit einer Band zu spielen. Wir wollten, dass das Album diesen Raum einfängt. Wir haben für das Album mit Trent Willmon zusammengearbeitet. Er ist der extremste Cowboy, den du treffen kannst. Dazu ist er ein fantastischer Produzent. Dann durften wir mit vielen lokale Talente aus Arizona arbeiten, um das Ganze über die Zielgerade zu bringen. Ben Maughan war unser Mischtechniker, Eli Man hat das gesamte Design entworfen – jeder einzelne ist unser Bruder.
Chandler: Miles hat das ja schon angerissen. Ein großer Teil unserer Inspiration liegt in den Honky-Tonks. Dort haben wir vor etwa drei Jahren angefangen, Country-Musik zu spielen, nachdem wir zum ersten Mal in einer Bar in Phoenix aufgetreten sind. In Arizona spielst du ausschließlich für ein tanzendes Publikum. Alle tanzen Two-Step oder Line-Dance. Wir haben eine Band zusammengestellt, diesen Gig gespielt, und das war der Startschuss für zwei Jahre, in denen wir vier Shows pro Woche gespielt haben. Vierstündige Sets mit alten und neuen Country-Hits. Wenn wir es auf Einflüsse herunterbrechen, ist Stapleton unser klarer Favorit. Danach kommen Johnny Cash, Waylon Jennings und Willie Nelson. Eben viel Old School Zeug aus den 70ern. Aber auch Cody Johnson, denn wir lieben seine Songs und seinen Sound, daher war es für uns etwas ganz Besonderes, mit Trent zusammenarbeiten zu dürfen.
„Trent Willmon ist der extremste Cowboy, den du dir vorstellen kannst.“
– Miles Kruse
Welche Art von Country-Musik hat euch für dieses Album inspiriert?
Ihr singt auf diesem Album über traurige Cowboys, weinende Mütter, Whiskey und wie der Honky-Tonk-Himmel aussehen sollte…
Chandler: …und über Gefängnisse! (lacht)
Das sind die „country-mäßigsten“ Dinge, über die man singen kann. Woher kommen all diese Geschichten?
Miles: Wir sind bei der Arbeit an dieses Albums mit der Idee herangegangen, eine Art Konzeptalbum zu machen. Die gibt es heutzutage viel zu wenig, doch nichts geht über ein gutes Konzeptalbum. Ein guter Teil davon sollte auch dem Ort gewidmet werden, an dem wir die letzten drei Jahre aufgetreten sind. All diese Geschichten sind mit Absicht ziemlich cowboymäßig geworden, manche davon fast schon ironisch. „Making Mama Cry“ schreit so sehr nach Cowboy-Country, das hat schon fast etwas von Slapstick. Wir reflektieren damit viele Songs, die wir in diesem Honky-Tonk gespielt haben. Als wir an ihnen arbeiteten, hatten wir stets unsere Live-Shows als Inspiration im Kopf. Unser Ziel ist es, den bestmöglichen Auftritt hinzulegen. Und unsere Musik soll die Leute dazu bringen, uns live sehen zu wollen. Ein tolles Live-Programm aus Covern im Honky-Tonk hatten wir bereits und es geliebt sie live zu performen. Also haben wir diese Geschichten in unsere eigenen Songs verwoben. Das Album repräsentiert zu 100 Prozent uns, aber der Cowboy diente als unsere Muse.
Euer Nachname, Kruse, klingt sehr deutsch. Habt ihr deutsche Vorfahren?
Miles: Ich glaube, unsere Vorfahren sind tatsächlich Niederländer. Unsere Ururgroßeltern kamen aus den Niederlanden nach Pella, Iowa.
Schon bald tretet ihr beim C2C Festival in Berlin auf. Habt ihr schon etwas von der deutschen Country-Community gehört? Was erwartet ihr von eurer Reise?
Chandler: Wir lieben Deutschland. Während unserer Kindheit hatten wir ein Jahr lang eine deutsche Austauschschülerin zu Gast. Wir sind immer noch mit ihr, ihrem Mann und ihrer Familie befreundet. Daher fliegen wir schon ein paar Tage früher nach Hamburg und wohnen bei ihr. Sie ist für uns inzwischen wie eine Adoptivschwester. Deutschland ist ein toller Ort, und wir haben dort viele großartige Menschen getroffen, aber dies wird das erste Mal sein, dass wir dort spielen. Jedes Mal, wenn man an einem neuen Ort spielen darf, besonders in Übersee, ist das ziemlich surreal. Wir freuen uns darauf, unsere Musik zu euch zu bringen, den Leuten eine tolle Show zu bieten und hoffentlich können wir uns dort eine Fan-Familie aufbauen.
Gibt es abgesehen vom deutschen Bier etwas typisch Deutsches, das ihr in Berlin ausprobieren wollt?
Miles: Wir wollen unbedingt die Gegend erkunden. Ich bin super gespannt, ich habe nur Gutes über Berlin gehört. Unser Vater war während unserer Kindheit mal in Berlin und ich erinnere mich, wie er davon schwärmte. Als wir das Angebot bekamen, sagte jeder, mit dem wir über Berlin sprachen, es sei einer der coolsten Orte der Welt. Ein paar unserer Bandmitglieder fliegen mit, nur um Berlin mit uns zu erleben. Wir werden so viel Zeit wie möglich damit verbringen, in der Stadt herumzulaufen, das Essen zu probieren und die coolsten Orte zu sehen. Wir wollen in den wenigen Tagen so viel wie möglich mitnehmen.
„Wenn ihr vorbeikommt und euch einen Song wünscht, spielen wir ihn für euch.“
– Chandler Kruse

Ihr spielt dort nur zu zweit und akustisch. Das ist definitiv der besonderste Rahmen, um sich einem neuen Publikum vorzustellen. Werdet ihr euch mehr auf die Stories hinter den Songs konzentrieren oder den gleichen Mix wie bei euren kommenden Headline-Shows spielen?
Chandler: Wenn es akustisch ist, sprechen wir gerne über die Songs, den Songwriting-Prozess und die Gedanken dahinter. Normalerweise versuchen wir, es relativ flott zu halten, aber wir planen unser Set nicht unbedingt fest. Bei diesen 30-minütigen Akustik-Sessions haben wir zwar eine Setlist vor uns, aber wir werfen sie oft über Bord. Denn du spürst ja auch den Vibe des Publikums im Raum. Vielleicht haben wir einen Song geplant, aber die Energie ändert sich. Dann spielen wir eben lieber „Breaking Blue“ statt „Tulsa County Jail“, weil ich das Gefühl bekomme, dass den Leuten das Bluesige daran mehr gefällt. Es ist wie ein Tanz mit dem Publikum. Das liegt uns sehr. Mit der Band ist das schwieriger, weil jeder sein eigenes Programm folgt. Klar könnten wir das auch mit der Band durchziehen, aber akustisch ist es definitiv besonders. Und wenn ihr vorbeikommt und euch einen Song wünscht, spielen wir ihn für euch.
Habt ihr euch schon angesehen, auf welchen Bühnen ihr beim C2C auftreten werdet?
Chandler: Wir haben die Info erst vor kurzem bekommen. Moment, lass uns mal in den Mails nachschauen…
Miles: Wir spielen auf der Star FM Stage, der VIA Broadway Stage, dem Town Square, der Whiskey Barrel Stage und der Pindeck Stage.
Cool! Die Whiskey-Stage ist direkt in einem Pub! Das könnte doch perfekt für den ein oder anderen Honky-Tonk-Song sein?
Miles: Oh ja! Das wird großartig!
Wenn ein Fan eure Shows in Berlin verlässt, welches Gefühl soll er mit nach Hause nehmen?
Miles: Wir wollen nur, dass die Leute an der Freude und Liebe teilhaben, die Chandler und ich für dieses Handwerk empfinden. Das versuchen wir zu vermitteln und den Raum mit dem Geschenk der Musik zu erfüllen. Klar, es ist ein Job und wir reisen um die halbe Welt dafür. Aber wir arbeiten hart und spielen auf, weil es uns Spaß macht, Diese Freude versuchen wollen wir weitergeben. Das Publikum soll genauso viel Spaß haben wie wir. Dabei sollen sie Teil der Show werden, denn sie sollen sich vor der Bühne genauso besonders fühlen wie wir auf der Bühne. Wir hätten nie gedacht, dass wir unsere Songs einmal auf der anderen Seite der Welt spielen dürften. Das ist wirklich ein Geschenk und eine Ehre für uns.
Chandler: Um daran anzuknüpfen: Wir sprechen viel über Leidenschaft und Authentizität. Wir versuchen, unsere Musik mit leidenschaftlichen Texten und Melodien zu füllen. Wir wollen Menschen dazu inspirieren, ihr Leben leidenschaftlich und authentisch zu leben. Durch unsere Live-Show und unsere Musik sollen sie dazu inspirieret werden. Wir erinnern unsere Jungs in der Band vor den Shows oft daran. Unsere Fans zahlen ihr hart verdientes Geld, um uns live zusehen. Also sollten wir ihnen etwas zurückgeben, dass sie dazu bringt, das zu folgen, wofür sie wirklich brennen. Das ist uns ebenfalls sehr wichtig.
Das sind großartige Schlussworte! Denn Musik ist eben der universelle Sound. Vielen Dank für das Gespräch.
The Kruse Brothers könnt ihr vom 06. bis 08. März live beim C2C Festival in Berlin erleben. Tickets gibt es hier.


