Drake Milligan ist zurück: Der Texaner spricht über sein Album „Tumbleweed“, ehrlichen Country-Sound und gibt ein Versprechen für seine Rückkehr nach Deutschland.
Draußen herrscht bei schönstem Wetter reges Treiben auf dem Uber Platz, doch am Rande des C2C Festivals ist die Atmosphäre gelassen. Mittendrin: Drake Milligan. Der Texaner mit dem markanten Bariton und unwiderstehlichen Honky-Tonk-Charme wirkt sichtlich gereift. Hinter ihm liegen zwei turbulente Jahre seit seinem Debüt „Dallas / Fort Worth“, vor ihm eine Zukunft, die er mit seinem neuen Album „Tumbleweed“ nun selbst nach seinen eigenen Regeln gestaltet.
Wir haben uns nach zwei Jahren wieder mit Drake zusammengesetzt, um über den steinigen Weg zum zweiten Album, die Magie alter Songwriting-Sessions und seine besondere Beziehung zu den deutschen Fans zu sprechen.
Vom Suchen zum Wissen
Drake Milligans Debütalbum „Dallas / Fort Worth“ war ein wahrer Triumphzug. Es dominierte die iTunes-Charts, sicherte ihm Spitzenplätze bei Billboard und machte ihn zum Gesicht eines neuen, traditionellen Country-Sounds. Doch Drake blickt heute mit einer Mischung aus Stolz und Analyse auf diese Zeit zurück. Im Gespräch wird klar: Der Erfolg war kein Zufall, aber der Prozess hinter dem neuen Album „Tumbleweed“ eine völlig neue Herausforderung. „Das erste Album hat so viele Jahre gedauert. Beim neuen Album hat es sich angefühlt, als ob es fast genauso lange, wenn nicht sogar mehr Jahre in Anspruch genommen hätte.“
Der entscheidende Unterschied liegt für ihn in der Klarheit seiner Vision. „Bei der ersten Platte hatte ich noch keine Fans“, erklärt er offen. „Ich wusste nicht, wie meine Fanbase aussieht. Ich wusste nicht, wie meine Live-Show wirklich aussehen soll. Bei der Arbeit an ‚Tumbleweed‘ ging es nun darum, meiner Show und den Fans gerecht zu werden.“ Heute, nach zahllosen ausverkauften Shows, unter anderem im legendären Billy Bob’s Texas, und Touren mit Größen wie Cody Johnson, hat sich das Blatt eben gewendet. „Es ist mein erstes Album, währenddessen Entstehung ich aktiv wusste, wie meine Fanbase aussieht. Ich weiß, wie meine Live-Shows aussehen sollen. Ich weiß, was ich für eine Live-Show gebrauchen kann und was nicht.“
Diese Sicherheit gab ihm die Freiheit, im Studio mutiger zu sein. Drake Milligan beschreibt eine neue Position als Künstler, in der er Songs aufnehmen kann, ohne zwangsläufig darüber nachzudenken, ob sie jeden Abend auf der Setlist landen müssen. Dennoch bleibt er bescheiden: „Ehrlich gesagt ist es schwieriger, das nächste Album zu machen. Die wahre Arbeit liegt darin, eine Fanbase aufzubauen. Menschen, die wirklich mehr von dir hören wollen.“
„Tumbleweed“: Ein Album voller Schätze
„Tumbleweed“ ist kein Album, das unter Zeitdruck am Fließband entstand. Es ist eine Sammlung von Geschichten, die teilweise fast ein Jahrzehnt gereift sind. Ein absolutes Highlight des Albums ist der Song „Slow Dancing To A Fast Song“. Drake verrät uns, dass dieser Track einer der ältesten auf der Platte ist – geschrieben vor acht Jahren gemeinsam mit den Songwriting-Ikonen Marv Green und Tim Nichols. Die Magie des Songs liegt in seinem unerwarteten Tempowechsel.
„Marv meinte plötzlich: ‘Was wäre, wenn wir einfach die Taktung ändern und aus dem Slow Dance einen schnellen machen?’ Ich dachte nur: Oh, perfekt, großartig!“ Es ist genau dieser spielerische Umgang mit der Tradition, der zeigt, warum Drake Milligan in Nashville so geschätzt wird. Er beherrscht die Regeln des klassischen Country, ist aber mutig genug, sie zu dehnen.

Den Abschluss des Albums bildet ein Feature, das Fan-Herzen höher schlagen lässt: Ein gemeinsamer Song mit seinem texanischen Landsmann Randall King. Drake wollte für diesen „Fun Song“ am Ende des Albums unbedingt jemanden, der vielleicht sogar besser ist, als er. „Ich liebe Randalls Stimme einfach. Ich liebe die Musik, die er macht. Ich wollte jemanden, von dem ich das Gefühl hatte, dass er ein Kollege ist – jemand, den ich respektiere und der mindestens in der gleichen Klasse der Country-Musik spielt.“
Obwohl die beiden den Song bisher noch nie gemeinsam live performt haben, sieht Drake die Aufnahme als perfekte Einladung: „Wir müssen das jetzt tun. Es ist doch der perfekte Anlass für uns, endlich mal zusammen live aufzutreten.“
Ein Versprechen für den September
Dass Drake Milligan gerne nach Deutschland kommt, spürt man in jedem Satz. Er erinnert sich amüsiert an seine Tour im letzten Jahr, bei der er unter anderem auf einem US-Militärstützpunkt in der Nähe von Stuttgart auftrat. Dort erlebte er eine kuriose Mischung aus zwei Welten. „Es war lustig, diese zwei verschiedenen Crowd-Typen erstmals zur selben Zeit zu sehen. Aber am Ende haben beide Gruppen Stimmung gemacht und hatten eine gute Zeit.“ Gibt aber auch zu, dass er seinen Ansatz auf der Bühne nicht verändern müsse, da er sich mittlerweile an die verschiedenen Publikumstypen gewöhnt habe. „Wir haben jetzt schon oft genug hier gespielt, wir sind an die deutschen Fans gewöhnt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Für alle, die nach dem C2C-Auftritt Sehnsucht nach mehr haben, gibt es die beste Nachricht zum Schluss. Drake Milligan hat den deutschen Boden noch nicht verlassen, da plant er bereits seine Rückkehr. „Im September kommen wir wieder!“ Ob er seinen Kumpel Randall King direkt mitbringt? „Das wäre großartig. Wir werden sehen, was er macht“, lacht Drake. Eines steht fest: Mit Tumbleweed im Gepäck und seiner unverkennbaren Energie wird der September ein Fest für jeden, der ehrlichen, handgemachten Country liebt.
Drake Milligans neues Album „Tumbleweed“ ist auf allen Plattformen verfügbar. Tickets für seine Deutschland-Tour im Herbst gibt es hier.


