Drake Milligan brachte mit seiner „Tumbleweed Tour“ Texas, Rock‘n‘Roll und Hüftschwung nach München.
Es braucht an diesem Mittwochabend nicht lange, bis sich die Münchner Tonhalle zumindest gedanklich irgendwo zwischen Texas und Nashville wiederfindet. Drake Milligan ist wieder zurück in Deutschland und bringt nicht nur seine sechsköpfige Band, sondern auch eine ordentliche Portion klassischen Country mit.
Dass Drake Milligan immer wieder gern nach Deutschland zurückkehrt und sich hier eine Fanbase aufgebaut hat, zeigt seine inzwischen fünfte Tour innerhalb der letzten drei Jahre hier im Lande. Ganz ausverkauft ist die Tonhalle im Münchner Werksviertel an diesem Abend zwar nicht, gut gefüllt aber allemal. Cowboyhüte, Boots und Westernhemden mischen sich unter das Publikum, das schon früh vor der Bühne zusammenrückt.




Fotos: Jennifer Ploog
Bevor Drake Milligan übernimmt, gehört der Spotlight zunächst Koen Vael. Der niederländische Singer-Songwriter beginnt pünktlich um 19 Uhr und bekommt knapp 40 Minuten Zeit, um die Münchner auf Betriebstemperatur zu bringen. Dabei setzt Koen auf eigene Songs wie „Steady on the Gun“ und seine aktuelle Single „Blue Motel No. 9“, wagt sich mit „Tulsa Time“ von Don Williams aber auch an einen echten Country-Klassiker. Eine passende Wahl für einen Abend, an dem Traditional Country ohnehin eine ziemlich große Rolle spielen wird.
Drake Milligan legt ohne Umwege los

Foto: Jennifer Ploog
Unter tosendem Applaus betritt Drake Milligan gemeinsam mit seiner sechsköpfigen Band die Bühne. Viel Zeit zum Eingewöhnen braucht es nicht. Mit „Sounds Like Something I Do“ steht direkt zu Beginn der Song auf dem Programm, mit dem für viele Drakes‘ Geschichte überhaupt begann. Und der funktioniert auch Jahre nach seinem Durchbruch noch hervorragend. Die ersten Zeilen sitzen im Publikum.
Mit „Bad Day To Be A Beer“, „Crying Shoulder“, „Tipping Point“ und „Over Drinking Over Thinking“ arbeitet sich Drake weiter durch sein Repertoire. Immer wieder übernimmt das Münchner Publikum einzelne Zeilen oder ganze Refrains. Drake selbst wirkt bestens aufgelegt, sucht den Kontakt zu den ersten Reihen und bedankt sich zwischen den Songs wiederholt bei seinen Fans, genauso wie bei der Band hinter ihm. Und das völlig zurecht. Denn die spielt an diesem Abend völlig auf.
Ein Abend für die Country-Geschichte




Fotos: Jennifer Ploog
Dass Drake Milligan musikalisch gerne ein paar Jahrzehnte zurückblickt, ist kein Geheimnis. Entsprechend bekommen an diesem Abend auch zwei große Namen ihren Platz. Zur Erinnerung an Dolly Parton stimmt er „9 to 5“ an. Später folgt mit „I Think I’ll Just Stay Here And Drink“ die Verbeugung vor seinem größten musikalischen Idol, Merle Haggard.
Drake Milligan und Band selbst leben diesen traditionellen Sound heute noch. Wie auch die Magie eines Live-Auftritts, bei dem man aus vertrauten Songs etwas besonders herausholt. Den besten Beweis dafür liefert „Going Down Swinging“, bei dem Drake das Tanzbein schwingt, während sein Keyboarder spontan einen eigenen Part einbaut und ihm dafür völlig verdient die Bühne überlassen wird.
Zwischendurch gibt Drake den Münchnern einen Vorgeschmack auf bislang unveröffentlichtes Material. Auch Neuzugänge haben es in die Setlist geschafft. Für „Lonely:30“ fährt die Show ein paar Gänge herunter. Der Song ist smooth, lässig und hat etwas herrlich Altmodisches. Für ein paar Minuten fühlt sich die Tonhalle nach einer dunklen Bar an, in der Martinis über den Tresen geschoben und Zigarren angezündet werden. Man könnte sich daran gewöhnen. Danach wird es mit „Tumbleweed“ wieder opulenter, ehe sich der Abend langsam seinem Ende nähert.
Einer geht noch: Direkt in die erste Reihe

Foto: Jennifer Ploog
Mit „Kiss Goodbye All Night“ kündigt Drake Milligan nach gut zwei Stunden den letzten Song des Abends an. Doch wer gedacht hat, er kehrt dem Münchner Publikum direkt den Rücken zu, hat sich getäuscht. Er springt noch in den Graben an die erste Reihe, verteilt Handshakes, gibt Autogramme und lächelt für Fotos in die Handykameras seiner Fans. Währenddessen spielt seine Band einfach weiter. Erst als Drake seine Runde beendet hat, gehen schließlich die Lichter aus.
Zurück bleibt ein Publikum, das ziemlich beseelt in die Münchner Nacht entlassen wird. Durch eine furios aufspielende Band, spontane Momente voller alter Helden, neuer Songs und einem Sänger, der sichtbar Spaß daran hat, all das mit seinem Publikum zu teilen.





