Lily Fitts live in Hamburg: Indie-Folk und Liebeskummer in der Hebebühne

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Lily Fitts spielt in der Hebebühne ihre erste eigene Deutschland-Show. Über einen Abend, an dem Country, Indie-Folk und intime Atmosphäre aufeinandertrafen.

Manchmal liegen zwischen einer Show als Vorband und als Headliner nur wenige Meter. Zumindest in Hamburg. Noch im vergangenen Jahr stand Lily Fitts nebenan in der Fabrik als Support für Max McNown im Rampenlicht. Am Dienstagabend kehrte die US-Amerikanerin in die Hansestadt zurück, dieses Mal auf ihrer ersten eigenen Headliner-Tour in der benachbarten Hebebühne. 

Wer noch nie dort war, muss den Eingang der Venue allerdings erst einmal finden. Etwas planlos irrten wir durch die Straßen, um durch einen Hinterhof in den kleinen Club zu gelangen. Bei unserer Ankunft war bereits zahlreiches Publikum im Saal, das zwischen gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre und Couchlandschaft eng beieinander stand – passend für einen Abend mit Lily Fitts.

Auch beim Publikum zeigte sich schnell, dass Lily musikalisch zwischen mehreren Welten unterwegs ist. Im Raum trafen Country-Fans in Cowboy-Boots, Trucker-Caps und T-Shirts mit Zach Bryan Print auf Indie-Folk-Hörer und Taylor Swift Anhänger. Eine bunte Mischung, die sich vor der Bühne zu einer kollektiven Gruppe vereinte.

Von Family Stereo zu „I Don’t Owe You Shit“

Bevor Lily Fitts die Bühne betrat, durfte zunächst der Londoner Blake Watt alias „Family Stereo“ eröffnen. Als One-Man-Band nur mit einer Akustikgitarre ausgestattet, wurde der Club auf einen Abend eingestimmt, der im familiären Stil weitergeführt werden sollte.

Dabei drückte sich Lily Fitts zumindest bei der Begrüßung ziemlich direkt aus und sang ihren Titel „I Don’t Owe You Shit“. Lily freute sich sichtbar, wieder in Deutschland zu sein und hatte sichtlich Spaß daran, nun ihre erste eigene Show in Deutschland spielen zu dürfen. Sie lächelte viel, blieb neben einem „Hi Hamburg, I‘m Lily and so excited to play for you“,  allerdings weitestgehend still und wirkte stellenweise sogar ein wenig schüchtern. Sie ließ lieber ihre Musik für sich sprechen und verlieh ihrem Liebeskummer mit „Some Kind Of Evil“ und „Mess Of Me“ Ausdruck. 

Angereist war sie, passend zur Clubgröße, mit reduzierter Formation. Auf der Bühne wurde sie lediglich von einem Schlagzeuger und einem E-Gitarristen begleitet. Lily Fitts selbst wechselte zwischen Akustikgitarre und Schellenring, viel mehr brauchte es für die meisten ihrer Songs aber auch nicht. Lediglich auf ihre Violinistin und damit die für Lily typischen, charakteristischen Geigensolos mussten wir an diesem Abend verzichten.

Mitsingen auf die norddeutsche Art

Der Abend mit Lily Fitts stand im Zeichen der gebrochenen Liebe, Foto: Vivien Kloss für CNTRY

Mit den folgenden Songs „Buying Time“, „Take Me Down“ und „In The Dirt“ hatte Lily Fitts die Hebebühne endgültig für sich gewonnen. Allerdings eher auf die norddeutsche Art. Denn textsicher war das Hamburger Publikum allemal. Es wurde mitgesummt und leise die Lippen bewegt. Lilys Fans kannten die Songs augenscheinlich genau. Klassische Mitsing-Momente gab es kaum, nur bei wenigen Songs, darunter “I Know What It Isn’t” oder “Hurts Like Hell”, stimmte das Hamburger Publikum bei der Hook lautstark mit ein. Der Abend stand im Zeichen zerbrochener Liebe und missglückter Rachefantasien. Trotzdem wurde an vielen Stellen gedankenverloren getanzt und im Takt mit dem Kopf gewippt. 

Vielleicht passte die Hamburger Eigenart genau deshalb zu diesem Konzert. Die Musik von Lily Fitts lebt ohnehin kaum von großen Party-Momenten. Lily befasst sich in ihren Songs vor allem mit der Verarbeitung tiefgreifender Gefühle und der Aufarbeitung einer schmerzhaften Trennung. Perfekt für einen Abend in kuscheliger Atmosphäre zu Herbstbeginn in einem verregneten Hamburg, das sich schon in die nächste Jahreszeit verabschiedet hat. 

Wo ist Ella Langley?

Wer Lilys bisherige Shows ihrer diesjährigen Tournee verfolgt hat und deren Herz wie unseres für Country schlägt, hatte sich jetzt bereits auf „Choosin’ Texas“ gefreut. Den Hit von Ella Langley coverte die Newcomerin aus Massachusetts zuletzt regelmäßig. Nicht so in Hamburg. Stattdessen entschied sie sich hier für den Country-Klassiker „Jolene“.

Ob Lily Fitts damit die Musik-Ikone Dolly Parton mit einer Hommage ehren wollte oder vielleicht doch Sorge hatte, dass „Choosin’ Texas“ beim deutschen Publikum nicht bekannt genug sein könnte, bleibt leider ihr Geheimnis. Wir hatten uns jedenfalls auf den Hitsong des Jahres gefreut. Hamburg hätte wirklich zeigen können, dass wir schon lange unsere Hausaufgaben im Zeichen der Country-Musik gemacht haben. 

Mit „Troubled Water“, „What They Say“ und „Made To Believe It“ ging es dann langsam Richtung Zielgerade. „Brown Eyed Baby“ durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen, ehe „Lose You Now“ nach insgesamt 21 Songs den Abend zumindest auf der Bühne beendete. Denn während sich der Club anschließend langsam leerte, nahm sich Lily Fitts alle Zeit für Fotos, Autogramme und Gespräche mit ihren Fans. Bis auch die Letzten glücklich nach Hause gingen. Das taten auch wir.

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