Das einzige Deutschlandkonzert von US-Superstar Zach Bryan sorgte war ein wilder Ritt voller Emotionen und magischer Momente.
Am Sonntagabend musste man sich im Berliner Westend kurz die Augen reiben: Cowboystiefel, wohin das Auge reicht, Stetson-Hüte im Nahverkehr und eine Energie, die man sonst wohl nur aus Nashville oder Texas kennt. Zach Bryan lud zum Konzertspektakel und stellte ganz nebenbei einen historischen Rekord auf. Es war das größte Country-Konzert, das Deutschland je gesehen hat.
Dabei sah es am frühen Nachmittag nicht wirklich nach einem unvergesslichen Abend aus. Denn pünktlich zum Einlassbeginn und während des Vorprogramms regnete es. Support-Act Keenan O‘Mara hatte es unter diesen Bedingungen sichtlich schwer, das klatschnasse Publikum zu erreichen. Doch als der Brite Ben Howard mit seinen melancholisch-schönen Klängen die Crowd einheizte, rissen die Wolken.
Grandiose Stimmung in atemberaubender Atmosphäre
Als Zach Bryan um halb Acht die Bühne betrat, meldete sich schließlich die Sonne zurück. „Couldn’t be better weather, Germany, right?“, rief der Outlaw aus Oklahoma später ins weite Rund. Die Kulisse war ohnehin atemberaubend. Die Waldbühne gilt nicht umsonst als das „deutsche Red Rocks“. Etwa 20.000 Fans verschlug es in das geschichtsträchtige Amphitheater, die von der ersten Sekunde an für eine grandiose Stimmung sorgten.
Zach Bryan selbst bewies Stil und performte in einem Metallica-T-Shirt. Denn am Vorabend hatte er sich den Auftritt der Metal-Legenden im benachbarten Olympiastadion angeschaut. Und der Respekt beruhte auf Gegenseitigkeit. Niemand Geringeres als James Hetfield wollte sich diese Country-Rekord-Show nicht entgehen lassen. Für das größte modische Rätsel des Abends sorgte allerdings Zachs Fiddle-Player Lucas Ruge-Jones: Er stand im Trikot des SC Freiburg auf der Bühne. Warum blieb bis zum Schluss sein Geheimnis.
Musikalisch feuerte Zach mit seiner 20-köpfigen Band aus allen Rohren. Inklusive Bläser und gewaltigem Background-Chor bekamen die Songs eine Wucht, die man auf den Alben so nur erahnen kann. Das erstaunlich junge Publikum erwies sich als absolut textsicher und mindestens genauso energiegeladen wie die Band. Schon beim Opener „Overtime“ und dem anschließenden „Open the Gate“ bebte die Waldbühne. Die Crowd glich über weite Strecken einem gigantischen Chor. Besonders bei den Fan-Favorites „Something in the Orange“, „Hey Driver“, „Oklahoma Smokeshow“ und „Fifth of May“ wurde es so ohrenbetäubend laut, dass Gänsehaut garantiert war.
Der gigantische Chor von Berlin
Der emotionale Höhepunkt folgte bei „Burn, Burn, Burn“: Die Fans stampften und klatschten so intensiv im Rhythmus, dass es dem Superstar aus Oklahoma glatt die Sprache verschlug und er eine Strophe noch einmal von vorn anstimmen musste. „I don’t deserve you, Germany“, gestand ein sichtlich überwältigter Zach Bryan. Nach dem melancholischen Megahit „I Remember Everything“ folgte die mittlerweile legendäre, fast zwanzigminütige Zugabe „Revival“. Ein völlig wilder, exzessiver Abschluss, bei dem Zach Bryan und seine Band das Publikum in einen regelrechten Rausch versetzten.
Einziger Wermutstropfen eines sonst makellosen Konzertabends? Nach exakt zwei Stunden war das Country-Spektakel schon wieder vorbei. Für die Fans viel zu früh, vor allem, wenn man bedenkt, dass ein Zach Bryan Set in den USA gerne mal bis zu drei Stunden dauern kann. Das phänomenale Berliner Publikum hätte daher definitiv noch ein paar Songs mehr verdient. Dennoch war das ein Abend, den so schnell keiner vergessen wird. Denn spätestens jetzt ist klar: Country ist in Deutschland längst kein Nischenthema mehr. Zach Bryan hat das Genre hierzulande endgültig in den Mainstream katapultiert.


