Foo Fighters’ Chris Shifflet: Über Willie, Merle und Buck

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Hauptberuflich ist Chris Shiflett Gitarrist der Rock-Band Foo Fighters – nebenberuflich betreibt der 48-jährige Kalifornier einen Musik-Podcast („Walk The Floor“) sowie eine veritable Solo-Karriere, in der er gekonnt mit Country flirtet. Vor allem auf seinem neuen Album „Lessons Learned“. Wir haben nachgefragt.

Von Gunther Matejka

CNTRY: Gestatte mir eine vielleicht blöde Frage: Was ist der Grund für Deine Solo-Karriere? Du bist ja als Gitarrist der Foo Fighters extrem erfolgreich und voll beschäftigt. Ist das Ganze also nur Spaß – oder eher musikalische Selbst-Verwirklichung?

Hm, lass mich mal darüber nachdenken. Also … Ich mag einfach Songs schreiben, singen, Gitarren spielen, Shows spielen, auf Tour gehen, Platten aufnehmen … ich mag das alles. Das ist mein Leben. Ums Geld geht es mir dabei nicht so sehr. Außerdem liebe ich es, mit verschiedenen Leuten zu spielen und neue Sachen auszuprobieren. Und je mehr du spielst, desto besser wirst du – und: es hilft dir zu erkennen, wer du als Musiker wirklich bist. Ich denke, das ist der Grund für mein Solo-Ding.

Deine neues, wirklich tolles Album „Hard Lessons“ hast Du in Nashville aufgenommen, warum?

Ich wollte einfach wieder mit meinem Produzenten Dave Cobb arbeiten. Der hat in Nashville Zugriff auf das großartige, legendäre RCA Studio A. Das sind schon mal zwei gute Gründe. Und der dritte Grund ist: Dave verfügt in Nashville über ein großartiges Netzwerk an tollen Musikern. Das alles zusammen ließ mich keinen Moment zögern, wieder in Nashville aufzunehmen.

Dave Cobb ist in Nashville der Produzent der Stunde. Was macht ihn so Besonders?

Da kann ich jetzt nur für mich sprechen: Ich kann ihm einfach total vertrauen. Ich schätze seine Meinung über Musik, er ist technisch beschlagen, selbst ein guter Musiker und er ist ein Equipment-Nerd, vor allem, wenn es um Vintage-Geräte geht. Kurz: Er macht meine Musik einfach besser.

Wie ist es, im  RCA Studio A aufzunehmen? Spürst Du da die Musik-Historie? Immerhin wurden hier einige der wichtigsten Country-Alben aufgenommen …

Absolut! Du kannst diese Geschichte nicht ausblenden, wenn du da arbeitest. Das ist überwältigend – und dazu total inspirierend. Vor allem mit einem Mann wie Dave Cobb an deiner Seite, der es irgendwie schafft, dass deine Musik nach 1969 und gleichzeitig cool und modern klingt. Er ist ein Zauberer.

Welchen Song hattest Du im Hinterkopf, als Du das herrliche nostalgische Duett mit Elizabeth Cook „The One You Go Home To“ geschrieben und aufgenommen hast?

Dazu gibt es eine lustige Geschichte: Das ganze kam ins Rollen, als ich Elizabeth für meinen Country-Podcast interviewt habe. Ich habe sie da gefragt, was sie gerne mal aufnehmen würde und sie sagte mir, dass sie am liebsten mal ein richtig trashiges Country-Duett aufnehmen würde. In der Art von Loretta Lynn & Conway Twitty oder George Jones & Tammy Wynette. Damit war die Idee des Songs auch schon geboren und ich habe mich dran gemacht, ein Duett nach diesen Vorbildern zu schreiben. Ich hoffe, es ist mir gelungen …

… das kann man wohl behaupten! Was hältst du eigentlich vom aktuellen Mainstream-Country-Sound?

Ehrlich gesagt, bin ich sowieso kein Fan vom Mainstream-Sound im allgemeinen. Das ist mir alles meistens zu glatt, irgendwie meistens nicht mein Ding. Aber es gibt natürlich in jedem Genre Künstler, die etwas Besonderes zu bieten haben. Im Mainstream-Country wären da zum Beispiel Acts wie Dierks Bentley, den ich sehr schätze; oder die Brothers Osborne, die ich wirklich liebe. Und natürlich Chris Stapleton. Er ist einfach fantastisch.

Auf Deinem neuen Album „Lessons Learned“ erinnerst Du optisch an Willie Nelson während seiner Outlaw-Phase …

Haha, das ist gut. Aber Willie ist doch immer noch in seiner Outlaw-Phase oder nicht?

Doch, da hast Du natürlich recht … Aber was ich meine: Das Posing, das Outfit, das Bandana – es erinnert schon an Willie oder?

Ok, ich gebe es zu, vielleicht war da ein Hintergedanke. Aber andererseits: Diesen Look haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Musiker nachgemacht: Springsteen, Johnny Paycheck und so weiter. Willie ist natürlich das Original.

Letzte Frage: Auch wenn Du mehr im Rock ´n´ Roll, als im Country beheimatet bist: Wer sind Deine persönlichen Country-Helden?

Zunächst einmal muss ich sagen: Ich liebe Country! Vor allem stehe ich auf den alten Country-Sound. Willie ist schon klasse. Aber mehr noch haben es mir Merle Haggard und Buck Owens angetan. Der Bakersfield Sound, die kalifornische Country-Version. Das hat mich aus dieser Ecke am meisten begeistert und beeinflusst.

Last modified: 16. Oktober 2019