Kacey Musgraves überzeugt vor Hamburger Publikum

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Nach dreijähriger Abwesenheit war Kacey Musgraves diese Woche endlich wieder auf deutschen Bühnen zu sehen. Am Donnerstagabend präsentierte sie ihr im März erschienenes Album Golden Hour in Hamburg.

In einem gut gefüllten Mojo Club eröffnete den Abend der niederländische Singer und Songwriter Joe Buck, der gerade seine erste Single Black auf den Markt gebracht hat. Sowohl optisch als auch stimmlich erinnert er an den britischen Superstar Ed Sheeran. Buck hat bereits für Größen wie Dan + Shay und The Common Linnets eröffnet und unterhielt das Publikum mit überwiegend ruhigen Balladen, sodass er nach einer halben Stunde zwar nicht mit Begeisterungsrufen aber warmem Applaus verabschiedet wurde. Nachdem er im vergangenen Jahr von Universal unter Vertrag genommen wurde, werden wir aber wohl noch von dem Niederländer hören.

Nach einer Umbaupause war es dann um kurz nach neun endlich soweit. Zu den Anfangstönen von Slow Burn folgte Musgraves ihrer Band auf die Bühne. Einheitlich gekleidet in schwarzen Rollkragenshirts und braunen Anzügen begleiteten die sechs Männer die 30jährige durch ihre 21 Songs umfassende Setliste.

„Hello Germany, wie geht’s?“ begrüßte sie das Publikum nach ihrem zweiten Song Wonder Woman. Viel sei passiert seit sie das letzte Mal hier gewesen ist. Sie hätte viele neue Songs geschrieben und einen Ehemann gefunden, erzählte die Musikerin einem jubelnden Publikum. Nach dieser kurzen Begrüßung ließ sie erst einmal die Musik sprechen. Es folgte eine Mischung von Songs aus ihren drei Alben; mit dabei High Time, das mit Cello und gepfiffenen Melodien sehr entspannt daherkam, Die Fun, das mit einem ausgeprägten und lauten Instrumentalteil begeisterte und Golden Hour, bei dem das Publikum eifrig mitschnipste.

Nach dem ersten Teil wurde es dann zunächst etwas ruhiger. Die Bandmitglieder traten mit ihren Instrumenten an den Bühnenrand. Mother ist letzten Sommer an einem Tag entstanden, an dem die Sängerin ihre Mutter besonders vermisste. Sie hätte überlegt den nur 1 Minute und 18 Sekunden dauernden Song noch zu verlängern, aber manchmal vermisse man eben einfach einen Menschen und damit sei alles gesagt, erklärte Musgraves. Nach dem kurzen Lied stieg die Band direkt in Oh What A World ein. Die folgenden Begeisterungsrufe schienen die Band langsam aufzutauen. Auf den zuvor ernsten Gesichtern wurde nun hier und da ein Lächeln sichtbar. Musgraves prostete dem Publikum mit einem Bier zu und fing an ihre Band vorzustellen. Sie nennen sich die „crispy boys“, sagte die Musikerin, was von einem Fan in der ersten Reihe mit „knackige Jungs“ übersetzt wurde. Die deutsche Übersetzung sowie Musgraves Versuche sie auszusprechen wurden vom Publikum lachend aufgenommen.

Die Texanerin schien nun in Plauderlaune gekommen zu sein. Sie schaute sich das Publikum genauer an und kommentierte verschiedene Fan-Shirts. Das Publikum hatte großen Spaß an ihren Geschichten und die Stimmung war nun deutlich lockerer als am Anfang. Viele Zuhörer bewegten sich im Takt oder sangen die ein oder andere Zeile mit.

Bei Love Is A Wild Thing nahm die Band langsam wieder das Tempo auf. Es folgten Velvet Elvis und Space Cowboy, die Musgraves sang ohne sich, wie bei den meisten anderen Liedern, selbst auf der Gitarre zu begleiten. Beim anschließenden Follow Your Arrow sang das Publikum den Refrain begeistert mit. Der zur Selbstbestimmung aufrufende Song ist in der konservativen Countrycommunity der USA durchaus kritisch aufgenommen worden. Hierzulande dürften sich die Wenigsten an den Themen Marihuana, Sex vor der Ehe oder Homosexualität stören.

Nach diesem Song verließen Musgraves und ihre Band zum ersten Mal die Bühne. Es war aber klar zu hören, dass das Publikum noch nicht bereit war den Abend zu beenden. Lautstark wurde nach einer Zugabe verlangt, dem die Musikerin nach etwa zwei Minuten gern nachzugeben schien. Nur vom Klavier begleitet wollte sie zu Rainbow ansetzen. Ein Hinsetzen auf den bereit gestellten Hocker gestaltete sich aufgrund der Kürze ihres Rocks aber als unmöglich. Trocken kommentierte sie, wir seien ja im Rotlichtviertel, blieb dann aber doch lieber stehen. Bei Neon Moon und dem abschließenden High Horse wurde es noch einmal laut und so ging nach 90 Minuten ein sehr unterhaltsamer und musikalisch schöner Abend zu Ende. Wie Musgraves selbst bemerkte, liebt Deutschland die Countrymusik sehr und so wird es hoffentlich nicht allzu lange dauern bis wir die sympathische Musikerin wieder hier begrüßen dürfen.


Text von Greta Kahle

Last modified: Oktober 20, 2018