Heiß, schweißtreibend & intim: Liam St. John verwandelte die Hamburger Nochtwache in einen Hexenkessel.
Manchmal sind es die spontanen Entscheidungen, die einen Konzertabend unvergesslich machen. Wie etwa am vergangenen Mittwoch, als Blues-Rocker Liam St. John eigentlich im Hamburger Nochtspeicher, nicht unweit der Reeperbahn, spielen sollte. Doch er und seine vierköpfige Band gingen lieber runter in den Keller-Club Nochtwache, was dem Gig eine intimere und intensivere Atmosphäre verlieh, ganz nach dem Geschmack des US-Amerikaners aus Spokane, Washington.
„Thanks for coming to the small club. That’s how we like it – hot and sweaty!“, rief Liam St. John früh am Abend in die Menge. Und schon nach wenigen Songs war klar, das wird es an diesem Abend auch werden.

Foto: Vivien Kloss / CNTRY
Zuvor hatte Sid Bader das Publikum mit seinen Songs wie „Hopeless State Of Mine“, aber auch einem Cover des Dschungelbuch-Klassikers „I Wanna Be Like You“ auf Betriebstemperatur gebracht. Der Singer-Songwriter aus Köln lieferte das perfekte Warm-Up für einen Abend voller Blues, Südstaaten-Rock und Americana. Als Liam St. John schließlich mit „Eleanor“ und „Everything I Had“ loslegte, war die Nochtwache endgültig in seiner Hand. Denn in den engen Clubwänden entfaltete seine markante Stimme eine besondere Wucht. Songs wie „Greyhound Bus Blues“, „Devil In Disguise“ oder „Believer“ lebten von intensiver Nähe zwischen Künstler und Publikum.
Auch neue Musik hatte Liam im Gepäck. Mit „This Bottle“ gab es einen ersten Vorgeschmack auf noch unveröffentlichtes Material, ehe später mit „Send For Me“ ein weiterer neuer Song folgte, der am 26. Juni erscheint, wie auch ein packendes Blues-Cover des Songs „Revenge“ vom verstorbenen Rapper XXXTentacion. Doch der Abend hielt noch ein weiteres Highlight bereit. Das Brüder-Duo Crowe Boys, momentan als Support von Max McNown in Deutschland unterwegs, wollte sich Liam St. Johns Auftritt an ihrem wohlverdienten freien Tag nicht entgehen lassen. Und enterten schließlich auch noch die Bühne, um gemeinsam ihren Hit „Where Did I Go Wrong“ zu performen.



Fotos: Vivien Kloss / CNTRY
Umso länger der Abend dauerte, desto schweißtreibender wurde es und Liam St. John sah irgendwann aus, als stünde er im strömenden Regen. Nach einem kleinen Solo-Set bog die Show mit der kommenden Single Send For Me (erscheint am 26. Juni) auf die Zielgerade ein. Das weiße Hemd hielt dabei der Hitze nicht bis zum Ende stand. Oberkörperfrei spielte er sich durch die letzten Songs und ließ noch einmal alles auf der Bühne, sodass die Nochtwache bei der Zugabe „To The Last Penny“ endgültig bebte.
Da bleibt ihm auch ein kleiner Versprecher am Ende verziehen. „Thank you Berlin…. Hamburg! I‘m Sorry!“, rief der Blues-Rocker klitschnass ins Publikum. Der Saal quittierte den Fauxpas mit einem Schmunzeln und großem Applaus. So blieb am Ende ein Konzertabend, der einmal mehr bewies, dass große Momente nicht zwingend große Hallen brauchen. Die spontane Verlegung in die Nochtwache machte aus einem ohnehin besonderen Auftritt ein echtes Club-Erlebnis: Heiß, schweißtreibend und voller Energie. Eben genau so, wie Liam St. John es mag.










