Die Crowe Boys im exklusiven Interview. Ein Gespräch, warum sie in Deutschland eine Akzeptanz finden, die sie in ihrer Heimat vermissen.
Ocie und Wes Crowe, besser bekannt als die Crowe Boys, sind eine der spannendsten Neuentdeckungen der modernen Americana- und Folk-Szene. Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, in der Gospel und Kirchenmusik den Takt vorgaben, entwickelten die Brüder schon früh ein blindes Verständnis für Harmonien und ehrliches Songwriting. Ihre Reise führte sie von der elterlichen Familienband bis in die lebendigen Musikclubs von New Orleans, wo sie schließlich ihren charakteristischen Sound aus erdigen Folk-Melodien und tiefgründigen Texten verfeinerten.
Nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Made To Wander“ und erfolgreichen Auftritten auf großen europäischen Festivals wie dem Tønder, dem Sound of Nashville Open Air oder dem Long Road im letzten Jahr, sind die Crowe Boys heute Teil einer neuen Generation von Musikern, die für ehrliche Geschichten und ermutigendes Songwriting stehen. Im Kern der Crowe Boys steht eben immer die unerschütterliche Bindung zweier Brüder, die das Leben in all seinen Facetten besingen.
Nur noch wenige Wochen, dann kehren die Crowe Boys im Rahmen des C2C Festivals zurück nach Deutschland. Nach ihrem ersten Besuch im letzten Sommer hinterlässt das Duo eine Spur der Begeisterung – und eine tiefe Verbundenheit zu den europäischen Fans. Wir haben mit Ocie und Wes Crowe über skurrile Cowboy-Begegnungen, den Ausstieg ihres Bruders und ihren Neustart als unabhängige Band gesprochen.
Must Hear: Crowe Boys – Bootstraps
CNTRY: Nur noch wenige Wochen, dann seid ihr wieder in Deutschland! Wie fühlt sich das für euch an?
Ocie: Wir freuen uns riesig. Das letzte Mal hatten wir eine fantastische Zeit bei euch. Wir können es kaum erwarten, wieder zukommen. Das wird super!
Ihr wart letzten Sommer erstmals in Europa. Was war der größte Kulturschock für euch?
Ocie: Es gibt definitiv Unterschiede. Ich glaube aber nicht, dass uns irgendetwas wirklich geschockt hat. Einiges war für uns eher witzig. Beim Long Road Festival war es interessant zu sehen, wie viele Leute sich wie Amerikaner oder Cowboys gekleidet hatten. Das fand ich einfach witzig, weil sie eben nicht wie Amerikaner klangen, aber genau so aussahen. Das war wirklich amüsant und interessant.
Was waren eure bemerkenswertesten Momente dieser Tour?
Wes: Für mich persönlich waren es die ausverkauften Shows. Und als wir auf dem Tønder Festival gespielt haben – das war mein absolutes Highlight. Wir haben das Zelt, in dem wir spielen durften, komplett gefüllt, und draußen stand noch eine Schlange von Leuten, die unbedingt rein wollten. Das zu sehen, hat mir viel bedeutet.
Die meisten Künstler aus den Staaten halten uns Deutsche für ein ein sehr aufmerksames Publikum sind. Würdet ihr dem zustimmen?
Ocie: Ja, absolut. Ich würde sagen, dass jeder, den wir in Europa getroffen haben, sehr fokussiert war. Ihnen war bewusst, wofür sie da sind. Sie wollten die Show sehen, wussten, wie man sich bei einem Konzert verhält und wie man ein unterstützendes Publikum ist. In Amerika kann das anders sein. Da ist es fast ein Glücksspiel, je nachdem, wo man gerade ist. Aber das durchgehende Motto in Europa war: „Wir unterstützen eure Musik und freuen uns, dass ihr hier seid.“ Das ist als Künstler sehr ermutigend.
Wer von euch ist eigentlich ohne Google Maps völlig aufgelaufen, wenn ihr in eine neue Stadt wie Berlin ankommt?
Ocie: Oh, wir beide. Wir brauchen in Europa jemanden, der uns führt. Wir verlaufen uns ja schon in Amerika, also wird es dort drüben definitiv nicht besser sein. (lacht)
Ihr macht schon seit der Kindheit Musik. Wer hat euch dazu inspiriert, das schließlich beruflich zu machen?
Wes: Das war keine bewusste Entscheidung. Wir haben das als Kinder in die Wiege gelegt bekommen. Wir sind viel gereist, und unser Vater meinte: „Hier ist ein Instrument, lerne es zu spielen, dann können wir alle zusammen musizieren.“ So richtig von anderen Musikern inspiriert wurde ich erst, als ich von zu Hause nach New Orleans zog. Das hat meinen musikalischen Horizont wirklich erweitert. Aber davor war das gemeinsame musizieren mit der Familie die einzige Inspiration.
Ocie: Bei mir ist das ähnlich. Unsere Familie war schon immer musikalisch unterwegs. Kirchenmusik und Gospel haben uns tief geprägt. Aber ein echter Einfluss durch eine andere Band oder einen Künstler kam erst, als ich nicht mehr in der Familienband spielte und die Musikszene New Orleans kennenlernte.
„Wir sind nicht nur Brüder, wir sind auch wirklich gute Freunde.“
– Ocie Crowe
Gab es jemals Pläne, diese Karriere ohne den Bruder an eurer Seite zu verfolgen?
Ocie: Natürlich gab es Zeiten, in denen ich über Soloprojekte nachgedacht habe, aber wir haben eigentlich immer davon geträumt, zusammenzubleiben. Es macht gemeinsam einfach viel mehr Spaß. Wir sind nicht nur Brüder, wir sind auch wirklich gute Freunde. Wir haben viel Zeit investiert, um an dieser Freundschaft zu arbeiten. Wir merken immer wieder, dass wir Zusammen besser sind. Deshalb bleiben wir ein Team.
Es wird also keinen „Oasis-Moment“ in eurer Karriere geben…
Ocie: Das weißt du nie. Unser dritter Bruder war zum Beispiel mal Schlagzeuger in der Band. Doch das Leben nimmt eben seine eigenen Wendungen. Das Tourleben ist hart, besonders wenn man älter wird und neue Verantwortungen übernehmen muss. Er wollte irgendwann den Druck des Tourlebens nicht mehr aushalten und ist ausgestiegen. Ich glaube nicht, dass es jemals eine riesige, medienwirksame Trennung geben wird. Wir sind offen für das, was die Zukunft bringt. Es geht uns darum, Dinge zu erschaffen, sie mit den Menschen zu teilen und unsere Überzeugungen an die Fans weiterzugeben. In welcher Form auch immer. Aktuell sind das eben Wes und ich, die Folk machen.
Ihr macht zwar Folk, aber auf dem Label steht Country…
Ocie: Wir haben mit dieser Musik angefangen, bevor die Plattenfirma ins Spiel kam, bei der wir mittlerweile garnicht mehr unter Vertrag stehen. Wie es eben bei Major-Labels so ist, gab es interne Veränderungen, und wir sind da mitten reingeraten. Wir schätzen es sehr, wie verständnisvoll alle Personen, die das Label heute leiten, bei der Trennung waren. Wir mögen das Team immer noch. Denn sie haben keinerlei Einfluss auf unsere Musik genommen. Sie haben das immer in unseren Händen gelassen. Wenn wir unsere Musik veröffentlichen, klingt sie immer genau so, wie wir sie wollen. Da haben und hatten wir großes Glück.
Herrscht bei der Arbeit im Studio brüderliche Demokratie oder hat jemand von euch das Letzte Wort?
Ocie: Wir nehmen beide viel Rücksicht aufeinander, aber es kommt auf die Situation an. Wes und ich haben einen guten Workflow entwickelt. Es ist nicht so, dass einer die Macht hat, denn wir kennen unsere Stärken. Ich vertraue Wes in bestimmten Dingen und er mir. Wir verlassen uns aufeinander. Wenn man brüderlich macht, kommt man zu einem guten Ergebnis. Wir funktionieren als Team sehr gut. Wir hatten nie heftige Streits, die unsere Bruderschaft gefährdet hätten. Wir diskutieren zwar viel hin und her, aber unsere Beziehung steht immer über solchen Entscheidungen.
Wie war es, die zehn Songs für euer Debütalbum zusammenzustellen?
Ocie: Für uns war das nicht allzu schwer. Was die kreative Richtung angeht, verlässt sich Wes gerne auf mich. Ich habe den Großteil des Albums geschrieben. Bei unserer kommenden Musik wird das anders sein, da haben Wes sehr viel gemeinsam geschrieben. Für das letzte Album hatten wir gar nicht so viele Songs zur Auswahl. Außerdem handelt unsere Musik nicht von oberflächlichen Ideen oder eingängigen Wortspielereien. Es sind Songs über Dinge, die wir persönlich durchlebt haben. Deshalb waren wir der Meinung, dass diese zehn Songs als Einheit Sinn ergeben. Mal sehen, was die Zukunft bringt, aber die Auswahl war nicht wirklich schwierig, zumal wir diese Songs schon lange in der Tasche hatten.
Welcher dieser Songs ist der beste Opener für eure Songs in Berlin? Welcher Song beschreibt euch als Band am besten?
Wes: Wir sind gerade dabei, unsere Setlist neu zusammenzustellen. Lange Zeit war „Leather Wallet“ unser Opener, aber der Song ist gar nicht auf dem Album. Wir überlegen momentan, wie der neue Start aussehen soll. Dafür haben wir schon eine gute Idee, aber die behalten wir noch geheim. Wir wollen euch das neue Programm noch nicht verraten.
Es ist so viel passiert, dass ich das letzte Jahr immer noch verarbeiten muss.
– Wes Crowe

Dann müssen wir uns also noch ein paar Wochen gedulden. Aber wie bereitet ihr euch auf die deutschen Fans vor? Habt ihr etwas Besonderes für sie in der Hinterhand?
Ocie: Noch nichts Spezifisches. Wir stecken als Band gerade in einer etwas schwierigen Phase. Wir wurden Ende letzten Jahres von Universal Music beziehungsweise MCA entlassen, was für unsere musikalische Richtung zwar kein großes Ding, aber viele Pläne für dieses Jahr über den Haufen geworfen hat. Wir versuchen gerade noch zu klären, wie wir dieses Jahr gestalten wollen und wie unser Weg aussehen soll. Wir kommen natürlich bald zu euch, aber wir verbringen momentan viel Zeit damit, alles zu sortieren. Wir wollen uns Zeit nehmen, die Dinge so lange zuverfeinern, bis sie so gut wie möglich sind. Aber ich weiß, dass wir sehr bald neue Songs veröffentlichen werden. Doch erstmal freuen uns darauf, rüberzukommen und sie für euch zu spielen.
Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken: Was war dein persönliches Highlight 2025 und was könnte das dieses Jahr noch toppen?
Wes: Das ist schwierig zu beantworten. Es ist so viel passiert, dass ich das letzte Jahr immer noch verarbeiten muss.
Ocie: Für mich war es die erste Show, die wir in Europa gespielt haben. Es war toll zu sehen, wie die Menschen dort mit unserer Musik interagieren. Die ganze Europa-Tour war ein Highlight. Deshalb freuen wir uns so sehr auf die Rückkehr. Ihr habt einen besonderen Platz in unserem Herzen. Europa ist sehr schnell zu einem Ort geworden, an dem wir uns zu Hause fühlen. Das mag seltsam sein, denn selbst hier in den USA gibt es Orte, an denen wir dieses Gefühl nicht haben. Unsere Marke und unsere Musik sind zwar präsent, aber sie werden nicht so angenommen wie in Deutschland. Wir freuen uns auf die Reise, weil man dort das Gefühl hat, wieder atmen zu können.
Gibt es einen bestimmten Künstler oder Band, auf die ihr euch in Berlin besonders freut?
Ocie: Nein, denn wir haben schon mit fast allen Künstlern aus dem Line-Up zusammengearbeitet. Ich freue mich einfach nur darauf, Zeit mit ihnen zu verbringen. Das ist das Schöne: Wir spielen viele Shows in den Staaten, kennen dort aber oft die anderen Künstler nicht persönlich. Aber in Europa sind auf den Festivals komischerweise immer Musiker, die wir kennen. Ich freue mich also riesig darauf, Freunde wiederzusehen und mit ihnen die Shows zu erleben. Das wird super.
Definitiv! Das C2C Festival in Berlin ist für die deutschen Fans immer ein besonderes Ereignis im Jahr. Das wird ein verdammt gutes Wochenende, oder?
Ocie: Ja, auf jeden Fall!
Vielen Dank für eure Zeit. Wir sehen uns in Berlin. Bis dahin: Keep on Rockin‘!
Vom 6. bis 8. März 2026 könnt ihr die Crowe Boys live beim C2C Festival in Berlin erleben. Tickets dafür gibt es hier.


