Ella Langley ist die neue Queen of Country. Mit ihrem Megahit „Choosin’ Texas“ entthronte sie Taylor Swift. Darüber muss gesprochen werden.
„Late Night Bar Call“ ist die neue Kolumne auf CNTRY. Autor Michael Moser blickt darin auf gemütliche Stammtischgespräche zurück. Mit einem frischen Hellen in der Hand lässt es sich schließlich am besten fachsimpeln. Einmal im Monat geht es um die Geschichten hinter den Hits, den Hype um neue Gesichter und die Seele der Country-Musik, die man oft erst nach dem zweiten Glas so richtig versteht.
Der Wirt ruft die letzte Bestellung aus. Wir unterhalten uns in entspannter Runde über Country-Musik. Es fallen die Namen Morgan Wallen, Luke Combs und Zach Bryan. Klar, selbst wenn man kein Kenner des Genres ist, kommt man früher oder später mit einem dieser Namen in Verbindung. Entweder ihre Songs laufen auf einer der großen Playlists, oder aber der Algorithmus des hiesigen Streaminganbieters bringt sie auf den Play Button. Doch dann fällt ein weiblicher Name: Ella Langley! In der Runde tauchen Fragezeichen auf.
Ella Langley – Wer ist das?

Ella Langley ist die meist gehörte Country-Künstlerin des Jahres, die nächste große Nummer. Da kann sogar Lainey Wilson einpacken. Wir bleiben an dem Thema hängen. Geboren und aufgewachsen ist die 26-Jährige in Hope Hull, Alabama und begann schon früh mit dem Singen in der örtlichen Kirchengemeinde. Als sie nach der High School schon ihre ersten Konzerte auf kleineren Bühnen spielte, war der Weg nach Nashville der natürlichste Schritt. Sie vollzog ihn schließlich 2019. Dort konnte sie schnell in der Songwriting-Szene Fuß fassen und wurde schon nach zwei Jahren von Sony Music mit einem Publishing Deal belohnt.
Als sie im Jahre 2022 den Song „Country Boys Dream Girl“ veröffentlichte, erlangte sie endlich einen Plattenvertrag. Die damals 23-jährige Ella Langley war bereit, auch als Künstlerin in Nashville durchzustarten.
Ihr Breakout-Hit „you look like you love me“, mit dem ebenfalls mächtig gehypten Riley Green, schlug im Jahr 2024 schließlich ein wie eine Bombe. Genau diesen Song kennt in unserer Runde jeder, wie ich feststelle. Denn mit der Einzigartigkeit des Titels, Sprechgesang auf einem klassisch anmutenden Country-Rhythmus, brach sie mit dem in Nashville vorherrschenden Sound. Eine Kombination, die Fans wie Radiostationen gleichermaßen mochten.
Mit „weren’t for the wind“ nahm Ella Langley schließlich den letzten Kritikern den Wind aus den Segeln. Spätestens da war klar, dass wir es hier mit der nächsten Queen of Country zu tun haben könnten.
„Choosin’ Texas“ verändert alles
An unserem Kneipentisch fällt endlich der Name des Songs, welcher der Sängerin aus Alabama ihren bisher größten Erfolg bescherte: „Choosin’ Texas“. Der Track ist seit über 20 Wochen die Nummer Eins der der Country-Charts und steht seit sechs Wochen an der Spitze der Billboard Hot 100. Damit überholt Ella Langley locker die bisherige Rekordhalterin Taylor Swift, die im Jahr 2012 mit „We Are Never Ever Getting Back Together“ drei Wochen auf der Eins Stand. In der Geschichte der Billboard Charts gab es nur zwei weitere Frauen, die mit ihren Country-Songs mehrere Wochen die Top-Platzierung innehatten. Beyonce mit „Texas Hold ‘Em“ sowie Dolly Parton mit „9 To 5“ und dem Kenny Rogers Feature „Islands in the Stream“
Doch es sind nicht nur die Zahlen, Daten und Fakten, die uns einen neuen legendären Song vermuten lassen. Auch der Songinhalt macht den nächsten Schritt und überschreitet den gewohnten Einheitsbrei. Wir sind uns einig: „Choosin’ Texas“ schafft das und weist sogar gewisse Parallelen zu „Jolene“ auf. Das Songwriter-Team um Miranda Lambert, Luke Dick, Joybeth Taylor und Ella Langley greift wie bei „Jolene“ die Grundthematik auf, bei der die Interpretin befürchtet, dass ihr Partner sich von jemand anderes angezogen fühlt. Bettelte Dolly Parton bei ihrem zeitlosen Klassiker noch selbst die Geliebte an, sich von ihrem Mann fernzuhalten, so ist sich Ella sicher, dass sich ihr Partner in eine andere Frau aus Texas verliebt hat. Die Zeilen „She’s from Texas, I can tell by the way he’s two steppin’ ’round the room“ und „he always loved ‚Amarillo By Morning‘ I shoulda taken that as a warning“ stehen exemplarisch dafür.
Ella Langley gehört zur A-Liga
Wir sind uns einig: Die Art und Weise, wie die Songschreiber dieses Thema aufgreifen, ist Weltklasse. Sie bauen texanische Stereotype mit Charme und Witz in den Song ein und verbinden diese immer wieder gekonnt mit den Befürchtungen der Sängerin, die in der Ich-Perspektive ihr Leid klagt.
Hinzu kommt die hervorragende Produktion, die Ella Langley höchstpersönlich mit Miranda Lambert und Ben West übernahm. Der Sound erinnert an Retro-70er Country, der mit ordentlich Steel Guitar und lässig tanzbaren Rhythmus begleitet wird.
Unser Stammtisch ist sich schließlich sicher, dass es Ella Langley in der Ten Year Town, wie Nashville manchmal genannt wird, endgültig bis ganz nach oben schaffen wird. Sie wird wohl nicht nur uns Fans weiter Freude bereiten, sondern auch für alle junge Sängerinnen ein Vorbild sein, die von einer Karriere auf den großen Bühnen träumen. Ja, Ella Langley hat es geschafft. Vom einfachen Mädchen aus dem ländlichen Alabama, zur Top-Riege der Country-Musik. Wenn sie weiterhin mit diesem Tempo unterwegs ist, können wir schon bald mit dem nächsten Megahit rechnen.


