Granger Smith – Country Things, Vol. 1 (Interview & Album-Review)

Written by | ALBUM REVIEWS, INTERVIEWS

Granger Smith verarbeitet auf „Country Things“ den tragischen Tod seines Sohnes River. Im Interview verrät er wie es der Familie heute geht.

Was die Familie vom texanischen Country-Star Granger Smith im vergangenen Jahr durchmachen musste, wünscht man keinen Menschen auf Erden. Sein dreijähriger Sohn River verunglückte 2019 bei einem tragischen Unfall auf der eigenen Farm. In den darauffolgenden schweren Monaten veränderte die Trauer die Art und Weise, wie Granger Musik lebt. 

In dieser Zeit entstand „Country Things“, von dem nun der erste Teil erscheint. Die Songs darauf sind größtenteils ruhiger Natur. Man merkt der Musik des Tonträgers an, dass sich Granger Smith persönlich verändert hat. „I Kill Spiders“ ist eine liebevolle Botschaft an seine Kinder, „Mexico“ darf als romantische Liebeserklärung an seine starke Ehefrau gesehen werden. Dass er noch nie in Mexiko gewesen sei, singt er. Aber an der Seite seiner Herzdame braucht er dort auch nicht hin, denn jeder Tag mit ihr fühlt sich so an, als verbringe man ihn dort. 

Der stärkste Song des Albums, „That’s Why I Love Dirt Roads“, ist eine ergreifende Hommage an den verstorbenen Sohn River. Und trotz des eher traurigen Leitmotivs bekommen Fans auch ein Comeback vom legendären Earl Dibbles Jr. Der bringt wieder die pure Ladung Country-Feeling mit. Nach seiner Ansage in „Country & Ya Know It“ dürstet es auf jeden Fall nach einem kühlen Bier.

Country Things, Vol. 1 ist Trauerbewältigung und ein Blick nach vorn. Das Motto: Sei dir bewusst, auch die kleinen Dinge zu lieben. Ein Album voller starker Botschaften und allem, was guter Country-Musik ausmacht.

Im Interview weiter unten erzählt Granger Smith wie seine Familie versucht die Trauer zu überstehen – und schwärmt von seiner Verbundenheit zu Deutschland.

CNTRY: Das letzte Jahr war für deine Familie das schlimmste überhaupt. Wie geht es euch heute?

Granger Smith: In kleinen Schritten etwas besser. Wir suchen weiterhin nach Dankbarkeit bei allem, was wir tun. Das ist das einzige, was uns helfen kann diese schwere Last von uns nehmen.

Du sagtest einmal: “Wir suchen stetig nach der Bedeutung hinter all dem.” Hat die Arbeit an Country Things dabei geholfen, sie zu finden?

Musik zu machen war schon immer ein bedeutender Teil für meine Sinnfindung. Kreativität zu teilen und eine Nähe zu den Fans zu finden, hilft mir noch immer. Die Arbeit an Country Things gab mir zweifellos solch einen Nutzen.

Was gab dir mehr Kraft zurück: Die Arbeit an neuer Musik oder dein Glaube an Gott?

Gott ist ist und bleibt immer bedeutend für mich. Ich glaube, dass Gott mir das Talent gegeben hat, sowohl Musik zu machen als auch wieder Kraft tanken zu können.

Einer der besten Songs auf deinem neuen Album ist “That’s Why I Love Dirt Roads”. Erzähle uns etwas mehr über die Entstehung des Songs.

Danke dir! Ich sollte ursprünglich am 5. Juni 2019 in Nashville auf dem roten Teppich der CMT Awards sein und hatte eine Studio-Session früher am Tag geplant, um den Song aufzunehmen. In der Nacht davor, den 4. Juni, hat uns dieses unbeschreibliche Unglück überrannt. So wurden mein Terminkalender und alle Pläne im wesentlichen ausradiert. Einige Monate später war ich auf der Farm meiner Eltern und beobachtete von der Veranda aus den Sonnenuntergang. Da erinnerte ich mich an “That’s Why I Love Dirt Roads”. Ich dachte darüber nach, wie seltsam es war, dass ich einen Song mit Zeilen wie “Out here in the quiet, I know you hear me, the stars are smiling, I feel you near me.” aufnehmen wollte. Mir wurde plötzlich klar, dass dieses Lied überarbeitet und veröffentlicht werden muss. Das war der Moment, der Song, der mich nach dem schmerzhaften Verlust wieder zur Musik führte. Zurück in meinem Haus schrieb ich vor dem Mikrofon den ersten Teil der zweiten Strophe und die gesamte Bridge neu, um meine jetzigen Qualen besser auszudrücken. Ursprünglich handelte die zweite Strophe von einem Bach, natürlich habe ich den Bach dann zu River gemacht.

Hast du ein persönliches Lieblingslied auf Country Things?

Ich bin hin und hergerissen. Es ist wirklich schwer sich zu entscheiden… Ich mag “Hate You Like I Love You”. Ich mochte schon immer gut gelaunte Songs, deren Texte eher traurig sind.

Trotz all der Ernsthaftigkeit in weiten Teilen des Projekts bekommen wir auch ein Comeback von Earl Dibbles Jr.

Ich liebe Earl! Ich liebe es, Leute zum Lachen zubringen und Earl schafft das. Er ist sehr verwundbar und etwas unsicher, gleichzeitig aber völlig durchgedreht und gesellig. Er ist eine tolle kreative Befreiung für mich, um die tiefgründigeren Songs auszugleichen.

Du stehst seit fast zwei Jahrzehnten nahezu durchgehend auf der Bühne. Wie sehr vermisst du die Live-Auftritte – nach sechs Monaten Pause durch COVID-19?

Ich vermisse es wirklich. Wir haben zuletzt eine Handvoll Konzerte gespielt und im Oktober werden es ein paar mehr. Aber es hat uns auch einen Blick darauf gegeben, nicht einen einzigen Tag auf Tour für selbstverständlich zu nehmen.

Wann denkst du bekommen wir die Normalität zurück?

Wann immer wir alle beschließen das es wieder so sein kann. Die Frage ist Wann und nicht Ob.

Können wir uns auf Konzerte in Deutschland freuen, wenn es wieder möglich ist? Wenn Ja, wie würde der größte amerikanische Redneck aller Zeiten, Earl Dibbles Jr. auf uns deutsche reagieren?

Ich liebe Deutschland. Es ist eines meiner liebsten Länder auf der Welt und ich war schon sehr oft dort. Ich liebe die Kultur, die Menschen, die reiche Geschichte und viele eurer Gerichte. Meine Gemeinde hier in Texas wurde vor vielen Jahren von Deutschen gegründet und vieles des texanisches Erbes ist von der deutschen Kultur abgeleitet, von den Biergärten, der Architektur, der Musik und selbst unser Chicken Fried Steak, das ein Verwandter vom Schnitzel ist. Ich kann es kaum erwarten bald wieder zukommen!

Country Things, Vol. 1 ist seit dem 25. September 2020 via Broken Bow Records/ BMG erhältlich.

Last modified: 25. September 2020