Review: It all begins with a Song – The Story of the Nashville Songwriter

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It All Begins With a Song - The Story Of the Nashville Songwriter

Gespannt und ohne Vorahnung auf welche Art von Dokumentation uns erwarten würde, sind wir in den Kinosaal 9 des brandneuen UCI Luxe Kino gegangen. Im Rahmen des grandiosen C2C Festivals wurde am Sonntag der Film It All Begins With a Song vorgestellt.

Doch wer erst um 14Uhr ankam, hatte den sehenswerten Kurzfilm von Lauren Jenkins leider schon verpasst. Der knapp 15 Minütige andauernde Clip, betitelt nach ihrem Song Running Out of Road, war äußerst sehenswert und hatte ebenfalls das Thema Songwriting aufgegriffen. In einem in der Prärie stehenden Haus in New Mexico spielt sie mit Cole Smith ein Pärchen, dass immer wieder durch Streits an ihre Grenzen kommt. Die Gründe dafür sind, dass Jenkins ihre Songs, die sie über ihn schreibt ihm nicht zeigen oder gar vorspielen möchte. Am Ende des Films fasst sie ihren Mut zusammen und spielt vor einem kleineren Publikum einen ihrer Songs. Im Publikum auch ihr Freund, der durch den Text erkennt, dass die Trennung unvermeidbar ist.

Nach diesem ersten Highlight ging es dann direkt los mit der Dokumentation der Nashville Songschreiber. Es begann erst einmal mit ordentlich Selbstironie, die auf die komplette Songwriterszene zutreffend ist. Der Hitschreiber Brett James, der unter anderem Jesus Take The Wheel von Carrie Underwood mitschrieb, erzählte er habe 25 Nummer eins Hits und über 40 Top 20 Platzierungen geschrieben, also ist er derjenige, den man nicht kennt.

Das Aufgebot für diese Doku konnte größer nicht sein. Die erste Riege der Songschreiber antworteten auf die Fragen, was Songwriting für sie bedeutet. So kamen u.a. Barry Dean, Bill Anderson, John Hiatt, Jeffrey Steele und Shane McAnally zu Wort. Auch einige Stars wie Garth Brooks, Luke Bryan, Brad Paisley und Kacey Musgraves erzählten über ihre eigenen Erfahrungen über das Schreiben von Songs. Dass dies nicht einfach ist, erklärte Caitlyn Smith. Durch das Schreiben von Songs öffnet man sein Herz, auch auf die Gefahr hin, dass die eigenen Gefühle dadurch verletzt werden können, sollte jemand ihren Song nicht mögen oder kritisieren. Die Stadt (Nashville) kann einen Brechen oder als Sieger hervorkommen lassen, so Smith.

Ein sehr Interessanter Teil waren auch die Mitschnitte einiger Schreibprozesse. Zu sehen wie ein Song entsteht und auf welche kleinen Details die Schreiber achten war äußerst sehens- und hörenswert. So machten die Produzenten des Films ein Experiment mit dem Songschreiber Andrew Combs. Sie gaben ihm vier kleine Papierschnipsel auf denen kurze Sätze daraufstanden. Aus diesen Aussagen sollte er einen Song schreiben und eine Geschichte erzählen. Mit einer Gitarre ausgestattet machte er sich an die Arbeit und die Kamera begleitete per Zeitraffer seine Ideen. Es dauerte keine 15 Minuten und es entstand eine erste Version von Combs. Genial!

Auch wurden einige Pop-Songschreiber, die in Nashville arbeiten, interviewt. Zum einen erzählt Busbee seine Geschichte zu dem Welthit Try, den er für Pink geschrieben hatte. Zum anderen zeigte Claude Kelly seine beeindruckende Ansammlung von Platinschallplatten, die er unter anderem für die Erfolge von Grenade, das von Bruno Mars gesungen wurde, bekommen hatte.

Im Allgemeinen waren die Entstehungsgeschichten zu den verschiedensten Countrytracks sehr interessant und wurden von den Erschaffern noch einmal von einer ganz anderen Sichtweise erzählt. Die emotionalste Story war die des Songs I Drive Your Truck. Die Ballade schaffte es auf Platz eins der Billboard Country Charts und wurde von Lee Brice gesungen. Die Geschichte erzählten die Schreiberinnen Connie Harrington und Jessi Alexander. Die Idee kam Harrington als sie mit ihrem Auto fuhr und eine Talkshow hörte, in der ein Vater erzählte, wie er mit dem Tod seines Sohnes zurechtkommt, da dieser als Soldat in Afghanistan diente und getötet wurde. Der Vater antwortete einfach, er fahre seinen Truck. Dieser Satz ist so in Harrington´s Gedächtnis hängen geblieben und hat sie so gerührt, dass sie einen Song darüber schreiben wollte. Mit ihrer Kollegin Alexander arbeitete sie das Lied aus. Lee Brice gab seine gefühlvolle Stimme dazu und der Song wurde einer der emotionalsten Country-Balladen der letzten Jahre. Das Ergreifendste jedoch kam erst als Harrington und Alexander vor laufender Kamera eben diesen Vater überraschten und den Song im Wohnzimmer seines eigenen Hauses mit ihm sangen. Dem Mann sowie den beiden Schreiberinnen viel es sichtlich schwer den Song, ohne Tränen vergießen, fertig zu spielen.

Der Film wurde hervorragend produziert. Der Schnitt, das Bild, der Ton und die musikalischen Einsätze waren perfekt getimed und ausgewählt. Durch die ausführliche Beschreibung des Handwerks Songwriting konnte man tief in die Materie eintauchen und einige Gedankenmuster der Schreiber erkennen. Die Dokumentation brachte uns die Bedeutung des Schreibens eines Songs sowie die Entstehungsgeschichte noch einmal mehr näher.

Last modified: 6. März 2019