Review: Mrs. Greenbird „Dark Waters“ – Die grünen Vögel sind zurück

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Mrs Greenbird Dark Waters Photocredit Manuela Zander

Mrs. Greenbird erfinden sich mit ihrem dritten Studioalbum Dark Waters nicht neu, sondern besinnen sich vielmehr zurück auf ihre musikalischen Wurzeln.

Ganze fünf Jahre hat es gedauert bis Mrs. Greenbird, das Singer-Songwriter Duo aus Köln, nun ihr neues Album an den Start bringen. „Wir haben sehr viel ausprobiert, manche Songs sogar dreimal aufgenommen, ​dann wieder verworfen […] Es hat einfach lange gedauert bis wir gesagt ​haben, genau das ist es und genau so soll es klingen!“, sagt Sängerin Sarah Nücken über den Entstehungsprozess.

Die Platte beginnt mit dem Roots-Stomper Long Time No See. Ein Song, der mit ordentlich Energie nach vorne geht. Ein gelungener Auftakt für das 11 Titel umfassende Album. ​„Der Song beschreibt [..] die Reise, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. ​Wir haben in den letzten Jahren beruflich und privat viele Talfahrten gehabt […] und das bringt der Song zum ​Ausdruck. Zum einen, dass man diese ganzen Täler hinter sich lässt […] und man sich quasi selbst mal den Spiegel vorhält und sagt: ‚Hey, ​ich bin wieder da und jetzt gebe ich wieder Vollgas, oder jetzt kann mich nichts mehr runter ​bringen!‘“

Morals ist ein EDM-Song? Denkst du!

Eines der Highlights auf Dark Waters ist ohne Abstriche Morals. Ein im ersten Eindruck belangloser elektronischer Song, den auch Mrs. Greenbird lange Zeit nicht wirklich ernst genommen haben. Hört man aber ein zweites Mal genauer hin, entfaltet Morals eine unfassbare musikalische Intelligenz. Denn „Der Song ist gar ​nicht elektronisch.“, verraten Sarah und Steffen. „Alles was in dem Song zu hören ist, ist von echten Instrumenten ​gespielt worden. Auch wenn das so klingt, […] der Beat wurde mit einer Gitarre gemacht und klingt einfach sehr ​elektronisch, aber ist tatsächlich eine Akustik-Gitarre.“ Außerdem wurde für Morals eine Orgel eingespielt. „Das ist alles organisch.“

Die Songs auf Dark Waters sind oftmals sehr poetisch. So wie auch Learn To Love You ​Again, der elfte und letzte Track des Albums. Ein wunderschöner, sehr ruhiger Song, bei dem Steffen den Anfangspart ​übernimmt. Den nachdenklichen Song hat das Duo gemeinsam geschrieben. Sicherlich inspiriert von der eigenen Liebe des Paares. Denn Sarah Nücken sagt über den Titel: „Wir sind der festen Überzeugung, dass man es immer wieder lernen kann, sich neu ​ineinander zu verlieben und das ist auch so ein Versprechen, dass wir das immer ​wieder versuchen wollen! Wie schön es ist, lange zusammen zu bleiben, ​füreinander einzustehen, füreinander da zu sein und sich die Frage zu stellen, was macht man ​wenn man das schaffen will?“

Dark Waters ist kein typisch deutsches Album

Dark Waters ist kein typisch deutsches Album, sondern anspruchsvolle Lyrik mit punktierter Instrumentalisierung. Der Einsatz von akustischer und elektrischer Gitarre, Vintage-Piano sowie Sarah’s außergewöhnliche Stimme sorgen für einen organischen, ehrlich nachhaltigen Sound.

Das symphatische Duo Sarah Nücken und Steffen Brückner, die grünen Vögel vom Nippessippi, tischen dem Hörer grundehrlichen, mal atmosphärisch nachdenklichen, mal positiv angehauchten Americana auf.

Dark Waters erscheint am 12. April 2019 via Greenbird Records. Sarah Nücken und Steffen Brückner sind noch bis Ende des Jahres auf ausgedehnter Tour. Die Konzerttermine findet ihr hier.


Albumbesprechung und Text: Christopher Wegner, das Interview mit Sarah Nücken geführt von Jessica Morbe.

Last modified: 10. April 2019