Wie Patwah deutsche Country-Musik salonfähig macht

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Patwah vermischt die Grenzen von Country, Rap und Deutsch-Pop. Warum genau das gerade steil geht.

Vergesst das angestaubte Schlager-Image deutscher Country-Musik und poliert eure Boots: Patwah ist hier, um die deutsche Musiklandschaft umzukrempeln. Mit einer Mischung aus Bodenständigkeit, Berliner Studio-Vibe und einer Portion Rap-Credibility bringt er einen Country-Sound nach Deutschland, auf den wir alle gewartet haben. Wir sprechen mit dem Heidenheimer Newcomer über die „urbane Ehrlichkeit“ seines Sounds, den Mut zum „Try and Error“ und warum Country auf Deutsch auch verdammt nice sein kann.

Es ist Sonntagnachmittag während des C2C Festivals in Berlin. Als wir zwischen all dem Trubel Patwah treffen, merkt man ihm die Strapazen des Festival-Marathons an, aber das Funkeln in den Augen verrät immer noch Begeisterung. „Mir geht es super. Es war zwar etwas hart heute in den Tag zu kommen, denn der dritte Festivaltag hängt schon ein bisschen in den Knochen und ich hatte wenig Schlaf. Aber wir sind hier, haben Bock und ziehen den letzten Tag nochmal mit voller Energie durch“, begrüßt er uns lachend.

Für Patwah ist es das erste Mal beim C2C, und er ist sichtlich beeindruckt von der Atmosphäre, die so gar nichts mit dem harten Ellbogen-Check anderer Genres zu tun hat. „Ich finde, es ist alles sehr nahbar und gemeinschaftlich. Hier wächst eine richtige Community zusammen und du bekommst dieses Lagerfeuer-Feeling auf Restaurantbasis serviert.“ Besonders die kleineren Bühnen haben es ihm angetan, wo die Distanz zwischen Künstler und Publikum schmilzt – genau dort, wo sein Sound, der zwischen Heidenheimer Heimatliebe und Berliner Coolness pendelt, am besten funktioniert.

Country war nie ein Fremdkörper

patwah interview country auf deutsch 2026
Patwah, Foto: BZ Media

Patwahs musikalische DNA ist tief verwurzelt. Er kommt zwar ursprünglich aus dem Rap, aber Country war nie ein Fremdkörper für ihn. Inspiriert durch seine Mutter wuchs Pat mit Rock und Johnny Cash auf. „Die Liebe zum Country war also schon immer da“, erklärt er. „Ich habe sehr früh country-infused Rap gehört, wie etwa Yelawolf. Auch die frühen Sachen von Nelly hatten diese country-typischen Gitarren-Samples, das hat mir immer diesen Southern-Country-Vibe gegeben.“

Dass er heute Country macht, ist daher eine organische Entwicklung, die 2024 in einer Studio-Session ihren Lauf nahm. „Wir hatten diese Schnapsidee einen Country-Song zu machen und irgendwie hat es sich verdammt gut angefühlt“, erinnert er sich. Die Akustikgitarre öffnete Türen in seinem Songwriting, die im reinen Rap verschlossen bleiben würden: „Ich habe gemerkt, dass sich das Songwriting bei mir einfach verändert hat. Ich hatte das Gefühl, dass ich in den Songs persönlicher werden kann. Vielleicht ist genau das, was jetzt für mich Sinn macht.“

„Bar an der Ecke“: Wenn aus Party Heimweh wird

Ein Beispiel für diese neue Tiefe ist seine aktuelle Single „Bar an der Ecke“. Wer darin einen stumpfen Sauf-Song erwartet, wird enttäuscht, oder vielmehr positiv überrascht. „Die Ursprungsidee war tatsächlich dieses Shaboozey ‚Bar Song‘-mäßige“, verrät Patwah. Doch während der Aufnahme in Berlin mit dem Produzenten-Duo Snoid & Deasey veränderte sich der Vibe. „Wir hatten schnell dieses Heimweh-Thema. Es ist wirklich eine wahre Geschichte.“ Es geht um den Felsen in Heidenheim, seiner Stammkneipe in der Heimatstadt. „Da bin ich jede Woche mit Freunden, die wir einfach schon seit Jahren kennen. Die Bar ist der Ort, den ich vermisse, wenn ich weg bin.“ Dieser Switch von der Partynummer hin zur sehnsüchtigen Hymne machte den Song schließlich so nahbar.

Den Grundstein für diese neue Ära legte Patwah bereits im Herbst 2025 mit seiner Single „Regen“. Der Song fungiert als die akustische Visitenkarte seiner musikalischen Neuausrichtung. Hier wird Patwahs urbane Ehrlichkeit erstmals wirklich greifbar. „Regen“ ist ein melancholischer Track, der beweist, dass aus dem Rapper endgültig der Storyteller wurde, der keine Angst davor hat, auch mal die verletzlichen, grauen Seiten des Lebens zu beleuchten.

Ich habe gerade den Spass meines Lebens, diese Musik zu machen.“

– Patwah
patwah press photo interview 2026
Patwah, Foto: BZ Media

Dass dieser neue deutsche Country-Vibe auch kommerziell funktioniert, beweist der Erfolg von „Danke“. Die Kollaboration mit Anne West hat bereits die Marke von einer Millionen Streams geknackt. Der Song verbindet Country-Emotion mit modernem Pop-Writing und zeigt, wie harmonisch sich zwei starke Stimmen können. Ein Ansatz, der auch live ankommt, wie spätestens seine Auftritte im Rahmen des C2C Festivals zeigten. Dort wurde mitgesungen, gefeiert und applaudiert. „Ich fühle mich hier richtig wohl. Die Country-Fans sind super angenehm und nett. Die Shows waren teilweise echt verrückt.“ 

Auch in Tracks wie „Immer Noch“ und „Nüchtern“ zeigt sich Patwahs Stärke: Er nimmt die Dynamik und die Direktheit des Rap und bettet sie in Country-Strukturen ein. Er singt über Freiheit, Identität und den Wunsch, den eigenen Weg zu gehen. Themen, die so alt sind wie das Genre selbst, aber durch seine Brille völlig neu klingen. Ein wichtiger Teil dieser Entwicklung ist auch das Umfeld, in dem Patwah arbeitet. Veröffentlicht wird seine Musik über Mountain Music. Das Team um Gründer Patrick Thiede (machte unter anderem Künstler wie FiNCH groß) steht für neue Ansätze im deutschen Musikmarkt, schaut über starre Genregrenzen hinweg und etabliert damit gerade den neuen deutschen Country-Sound.

Try & Error

„Im Bereich des deutschen Country gibt es – abgesehen von Anne (West, Anm. d. Red.) – kaum Künstler, die man auf dem Schirm hat und die das Genre in den letzten Jahren krass hochgetrieben haben. Klar, es gibt Truck Stop, aber wir reden von einem modernen Ansatz. So etwas findet man hier sonst nicht.“ Der logische Schritt für Patwah: „Warum schreiben wir uns das nicht auf die Fahne und schauen, wohin die Reise geht?“

Dass er deshalb für seinen Stil auf Plattformen wie TikTok auch mal Gegenwind von Country-Puristen bekommt, stört ihn wenig. „Ich habe über 700 Schallplatten zu Hause, davon rund 100 Country-Alben. Da sind The Highwaymen, Johnny Cash und Willie Nelson dabei“, stellt er klar. „Ich weiß schon, wovon ich rede.“ Für ihn ist es ein Prozess, ein ständiges Ausprobieren. „Für mich ist das auch so ein Try-and-Error-Ding. Ich habe gerade den Spaß meines Lebens, diese Musik zu machen.“ Und genau diesen Spaß hört man in jeder Zeile. „Aber es wird immer Leute geben, die es nicht mögen, damit bin ich vollkommen fein.“

Patwah bringt genau das in den deutschen Country, was lange gefehlt hat: Echte Kanten, urbane Einflüsse und eine Stimme, die Geschichten erzählt, die man ihm glaubt. Der Heidenheimer ist bereit, den Country-Spirit in den deutschen Mainstream zu holen – ganz ohne Kostümzwang, dafür mit einer Menge Herz und einem verdammt guten Beat.

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