Poesie, Melancholie und der Versuch sich selbst zu finden. Zach Bryan ist auf „With Heaven On Top“ wieder Zach Bryan. Und das ist gut so.
Der Stil von Zach Bryan ist schwer zu erklären. Nennen wir ihn einfach einen der erfolgreichsten Country-, Alternative- und Folk-Rocksänger unserer Zeit. Oder die Stimme einer ganzen neuen Country-Generation. Diese Stimme meldet sich nun mit „With Heaven On Top“ zurück. Sein sechstes Album in nur sieben Jahren, das erneut mit einem Haufen Songs (25 an der Zahl!) aufwartet.
Aufgenommen mit Freunden in einem Haus in Tulsa, Oklahoma, schrieb Zach nicht nur alle Songs alleine, sondern produzierte sie auch selbst. Und da Zach Bryan eben nicht nur Musiker ist, sondern Poet zugleich, gibt es das ganze Werk sogar nochmal als reine Akustik-Platte. Denn auch wenn Zachs‘ Arrangements wieder auf das Wesentliche reduziert sind, setzt er vermehrt auf geschickt eingesetzte Bläser und E-Gitarren. Das Live-Bild seiner energetischen Konzerte beeinflusst eben auch seine Studioarbeit.
„With Heaven On Top“ startet mit dem Gedicht „Down, Down, Stream“ und nimmt danach durch „Appetite“ an Fahrt auf. „Wer bin ich eigentlich?“, „Was möchte ich mit meinem Leben anfangen?“, fragt sich Zach Bryan hier, der in wenigen Wochen runde 30 Jahre alt wird. Sein neuestes Album schwingt somit zwischen Melancholie und Gelassenheit.
Zach Bryan scheut sich aber auch nicht vor politischen Statements. „Bad News“ setzt sich kritisch mit der ICE-Bewegung seines Heimatlandes unter Präsident Donald Trump auseinander, wurde deshalb in den USA bereits kontrovers diskutiert. Und auch seinen Idolen zollt er immer wieder Tribut. Textlich ist Zach Bryan eine Kreuzung aus Bob Dylan und Bruce Springsteen (nur eben für Millenials und Gen Z), musikalisch spielt er mit Tom Petty-esken Klängen („Slicked Back“) und gesanglichen Elvis-Anleihen („Rivers And Creeks“). Dazwischen gibt es allerhand Songs zwischen Schuld und Selbstreflektion, sowie immer öfter die Frage: Spielt er hier auf die medienwirksame Trennung von seiner Ex-Lebensgefährtin Brianna „Chickenfry“ an?
Nach monatelangen Schlagzeilen zwischen Beziehungsdramen, Beef, politischen Statements und Gossip-News versucht sich Bryan mit „Heaven On Top“ gesetzter und leitet einen selbstbestimmten Reifeprozess ein. Dabei bleibt eines klar: Auch mit seinem neuesten Werk wird er in den Schlagzeilen bleiben. Immerhin ist er eine der inspirierendsten Stimmen der neuen Generation.
Wer danach die „Zach Bryan Mania“ immer noch nicht versteht, dem sei ein Besuch seines Konzertes in der Waldbühne Berlin am 31. Mai 2026 geraten. Allen anderen natürlich auch.


