Kip Moore im Interview: „Ich gehe an die Grenzen zum Rock ’n‘ Roll“

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Kip Moore sprach im Interview mit CNTRY über den Start seiner Karriere, Einflüsse, die ihn prägten und die Arbeit an seinem aktuellen Studioalbum „Damn Love“.

Kip Moore gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Künstlern der aktuellen Country-Szene. Wie kein Anderer verbindet er tiefgehendes Storytelling mit ansteckenden Rocksounds. Das zeigen nicht nur seine fünf bisher veröffentlichten Alben und Erfolge im Country-Radio, sondern auch seine mitreißenden Live-Shows. Vor kurzem gab Kip Moore bekannt, die Zusammenarbeit mit seiner langjährigen Plattenfirma MCA Nashville zu beenden. Gerade arbeitet er an seinem sechsten Studioalbum, das Erste in Eigenregie als unabhängiger Künstler. Bevor diese neue Reise beginnt, blickt Kip Moore im Interview weiter unten gemeinsam mit CNTRY auf die Entstehung seines noch aktuellen Studioalbums „Damn Love“ zurück. Erzählt aber auch vom Beginn seiner musikalischen Laufbahn und wichtigen Wegbegleitern.

Noch in diesem Jahr geht es für Kip Moore auf „Nomad World Tour“. Termine in den USA, Südafrika, Kanada, Australien und Neuseeland stehen bereits fest. Ob er im Rahmen dieser Tournee auch wieder in Deutschland zu Gast sein wird, ist noch unklar.

Von Christopher Wegner & Michael Hohnschild.

Aus dem Archiv (05/2023).

Im Mai 2023 spielte Kip Moore erstmals ein Konzert im legendären Hamburger Musikclub Große Freiheit 36, Fotos: Sven Hartwig für CNTRY

CNTRY: Glückwunsch zum neuen Album, du wirst immer besser!

Kip Moore: Danke dir!

In den letzten drei Jahren hast du einige Alben aufgenommen, die nicht veröffentlicht wurden…

Ich schreibe an jedem Morgen. Nehmen wir nur die letzte Woche, bevor ich hier angekommen bin. Ich hatte mir gerade ein Haus an der Ostküste eingerichtet, eine komplett neue Umgebung für mich. Ich wache jetzt am Sumpf auf und das Herz und mein Verstand sind an einem anderen Fleck. Aber ich stehe immer noch jeden Morgen auf und schreibe. Ich habe zwar nicht mehr den Druck rausgehen zu müssen, um an einen Song zu arbeiten. Dort schreibe ich einfach nur für mich. Denn ich habe immer etwas zu sagen, immer wieder eine neue Melodie oder Textzeile im Kopf. Ich muss gar nicht lange warten, bis etwas aus mir herausbricht. In den letzten fünf Tagen habe ich tatsächlich ganze fünf Songs geschrieben, während ich auf der Terrasse saß. Ich sammle so viel Musik an, dass ich in den letzten drei Jahren zwei komplette Alben aufgenommen habe, von denen ihr nur eins hören dürft. Und ich arbeite schon an zwei weiteren, von denen noch niemand weiß. Es hört für mich einfach nie wirklich auf.

Woher wusstest du dann, dass „Damn Love“ das Album ist, was die Welt hören muss?

Songwriting ist für mich etwas befreiendes, das ich mir jeden Tag entlocke. Es ist nicht nur das, was ich liebe. Sondern die erste Sache, die ich nach dem Aufstehen mache. Ich koche mir eine Tasse Kaffee und will schon zum Sonnenaufgang schreiben. Manchmal bringe ich nur meine Gedanken zu Papier, manchmal in Gedichtform, in Langform und manchmal sind es Lieder. Es ist etwas, das mich stetig begleitet. Aber ich merke sofort, wenn ich auf etwas Besonderes gestoßen bin. Das ist meistens, wenn im Inneren etwas passiert, ich in Aufruhr bin. Dann weiß ich, das ist jetzt eine Aufnahme, mit der ich etwas zu sagen habe. Diese Erfahrung durfte ich im letzten Verlauf zweimal machen. Aber „Damn Love“ war das Album, was mit meiner geistigen und emotionalen Verfassung im Entstehungsprozess übereinstimmt. Es umfasst, wo ich in diesem Lebensabschnitt stehe, also habe ich mich dafür entschieden. Das andere Projekt war ehrlich gesagt viel mehr eine Rock-’n‘-Roll-Platte. Einfach etwas, worauf ich Lust hatte, es zu machen. Leider hat das nicht wirklich viel ausgesagt, es ging mehr um die Melodien und Musik. Also beschloss ich „Damn Love“ herauszubringen, um den Fans zu zeigen, in welcher direkten Beziehung ich zum Leben stehe.

Kip Moore mit Damn Love – Der Titelsong zum aktuellen Album:

Ich merke sofort, wenn ich auf etwas gestossen bin (…), Meistens wenn im inneren etwas passiert.

– Kip Moore

Du hast „Damn Love“ mit Jaren Johnston (Leadsänger „The Cadillac Three“, Anm. d. Red.) produziert, von dem ich ein großer Fan bin. Ich mag diesen Typen einfach…

Ja, ich auch. Wir freuen uns schon darauf, ein weiteres gemeinsames Album aufzunehmen.

Wer von euch Beiden hatte die konkrete Idee, all diese 80er-Vibes einfließen zulassen?

Das war eine ziemlich gegenseitige Entscheidung. Jaren hat schon immer gewusst, dass ich mit allen Dingen, die ich mache, an die Grenzen zum Rock ’n‘ Roll gehe. Er hat auch bemerkt, dass ich das mit all den vorherigen Alben versucht habe, aber nie den entscheidenen Schritt weiter gegangen bin. „Peace & Love“ war der erste Song, den wir zusammen für das Album geschrieben haben. Und er fühlte sich einfach wie ein Rock ’n‘ Roll Song aus den 80ern an. Als wir dann gemeinsam ins Studio gegangen sind, wussten wir, dass wir uns als erstes damit befassen müssen. Wir haben beschlossen einfach anzufangen und dann zu schauen wo es uns hinführt. Denn wir sind beide mit dieser Art von Musik aufgewachsen. Ich liebe zum Beispiel „The Cure“. Also haben wir den Gitarren mehr Raum gegeben und mehr Effekte auf sie gesetzt. Für mich unübliche Dinge, da ich die Gitarrenspuren bisher eher trocken aufgenommen habe. Wir sind einen theoretischeren Ansatz gegangen. Das war eine sehr gegenseitige Sache, die wir beide verfolgen wollten.

Ein Song, den du kürzlich veröffentlicht hast, hat es nicht auf das Album geschafft. nämlich „If I Was Your Lover“ mit Morgan Wade. Warum?

Für mich war das eher ein Platzhalter, damit die Fans wissen, dass ich gerade an etwas arbeite.

Vielleicht schafft es der Song auf eine Deluxe-Version?

Vielleicht! Wir haben bereits darüber gesprochen. Und ich finde es passt sowohl melodisch, als auch vom Gefühl zur Art des Albums. Aber ich wollte eigentlich, dass dieser Song für sich allein steht und Platz schafft für etwas, das noch niemand gehört hat.

Kip Moore – Ein Poet & Rebell

Du scheinst Poet und Rebell gleichermaßen zu sein…

(lacht) Ich mag beides!

Wie transportierst du das in dein Leben oder in deine Musik?

Wir haben diese Songs heute das erste Mal im Rahmen unseres Soundchecks gespielt. Wir werden es einfach versuchen. Ich glaube auch nicht, dass es jemals eine Platte gab, die ich von Anfang bis Ende live spielen wollte. Oder ich mich so sehr darauf freue, sie zu spielen. Denn einerseits dauert es ein ganzes Jahr, bis so eine Platte draußen ist. Da befinde ich meist schon in einer ganz anderen Gefühlswelt. Meistens bin ich dann natürlich nicht so erfreut, diese Songs zu spielen. Das passiert immer wieder. „Damn Love“ ist das erste Album, aus dem ich nicht nur heute live spielen möchte. Selbst als wir vor ein paar Minuten „Another Night In Knoxville“ angestimmt haben, fühlte es sich magisch an. Das ist einfach für ein Live-Erlebnis gebaut. Das ist nicht nur das Aufregendste für mich, sondern auch für die Band. Es ist sogar ihr liebstes Album, das ich jemals gemacht habe.

Ein anderer Song auf der LP ist „One Heartbeat“ mit Ashley McBryde. Wie ist euer Verhältnis zueinander?

Ashley ist einer meiner Lieblingsmenschen auf diesem Planeten. Wir haben uns bei so einer Songwriter-Sache in Alaska kennengelernt. Da war sofort so eine Ausstrahlung in der Luft. Sie war für mich sofort wie eine Schwester. Sie meinte, es fühlt sich an, als wäre ich ihr Bruder. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir sehr ähnlich aufgewachsen und aufgeweckte Menschen sind. Wir kommen beide aus dem Süden. Aber ich habe auch großen Respekt vor dem, was sie macht. Sie geht ihren eigenen musikalischen Weg, macht es auf ihre eigene Art und weicht für Keinen davon ab. Es war ein pures Vergnügen. Ich erzählte ihr, dass ich noch nie ein Duett aufgenommen habe. Wir haben das Duett mit Ashley übrigens noch vor dem mit Morgan aufgenommen. Jedes Jahr, wenn ich an ein Album arbeite, versucht meine Plattenfirma mich zu überzeugen, ein Duett zu machen. Ich wollte das nie, weil es keinen Sinn ergab. Oder ich niemanden gefunden habe, der für eine Zusammenarbeit zu mir passt. „One Heartbeat“ habe ich allein auf Maui geschrieben. Als ich dann mit der zweiten Strophe begann, hatte ich sie sofort im Kopf. Ich wollte Ashley also unbedingt dazu bringen, sie zu singen. Und das hat geklappt.

Mein Bruder war derjenige, der mich wachgerüttelt hat

– Kip Moore

Viele nennen dich den Country-Bruce-Springsteen. Aber gerade auf „Hey Old Lover“ höre ich vor allem Einflüsse von Tom Petty heraus. Stimmt das?

Ja, Petty ist einer meiner Allzeit-Favoriten und „Angel Dreams“ einer meiner absoluten Lieblingslieder. Tom Petty war in meinen frühen 20ern ein riesiger Einfluss, gemeinsam mit Springsteen, Bob Dylan und Willie Nelson. Das waren die vier Leute, in deren Musik ich wirklich tief eintauchen konnte. Aber auch Jackson Brown, Bob Seeger und ein bisschen Kristoffersen. Denn ich wusste, dass ich ein Händchen für Worte und Melodien hatte, aber ich wollte das Handwerk unbedingt von diesen Typen lernen. Also habe ich sie studiert. Ich besorgte mir ein Notizbuch, in dem ich all ihre Songtexte aufschrieb. So konnte ich ihr Spiel mit den Worten und die Art wie sie Dinge formulieren verstehen. Das war ein riesiges Lehrmittel für mich.

Du kommst aus Tifton, Georgia. Das ist in der Nähe von Augusta. Also bist du quasi neben den Golfplätzen aufgewachsen…

Ja, mein Vater war ein Golf-Pro.

Stimmt es, dass dein Bruder deine Stimme auf dem Golfplatz geformt hat?

Nein, mein Bruder war nur ein guter Musiker. Meine ganze Familie ist sehr musikalisch, meine Mutter hat auch als Klavierlehrerin gearbeitet. Ich war aber immer etwas zu schüchtern um vor irgendjemanden zu singen und hatte auch nie auf der Gitarre gespielt. Mein ältester Bruder war dafür ziemlich gut an der Gitarre, also sah ich zu ihm auf. Dann hat er mich singen gehört, als ich im Alter von 14-19 Jahren in der Wartungsmannschaft des Golfplatzes gearbeitet habe. Eines Tages hatte er mich erwischt, wie ich im Schuppen einen The Black Crowes Song mitsang. Und ich sang ihn in der selben Tonalität wie Chris Robinson. Mein Bruder war derjenige, der mich wachgerüttelt hat und sagte: „Ich glaube, du hast da eine kleine Begabung. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist!“ Das war der gewisse Anstoß für mich, denn ich wusste bis dahin tatsächlich nicht, dass ich singen konnte. Ein Jahr später im College nahm ich also die Gitarre in die Hand und spiele sie bis heute.

Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview entstand mit freundlicher Unterstützung von Sound of Nashville und der Universal Music Group Nashville.

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