Die James Barker Band im Interview über ihr neues Album „One of Us“, die besondere Chemie der Band und das Geheimnis, wie man das deutsche Publikum knackt.
Wer erinnert sich noch an das erste C2C Festival in Berlin im Jahr 2019? Damals wirbelten vier Jungs aus dem beschaulichen Woodville, Ontario (Kanada), über die kleinen Nebenbühnen und sorgten in der Country-Community für ordentlich Gesprächsstoff. Die Geschichte der James Barker Band ist dabei vor allem eine Geschichte echter Freundschaft: James Barker, Taylor Abram, Connor Stephen und Bobby Martin kennen sich teilweise schon seit der Highschool und haben sich von verrauchten Bars bis an die Spitze der kanadischen Charts hochgespielt. Seit ihrem Durchbruch im Jahr 2016 mit „Lawn Chair Lazy“, der am schnellsten chartenden Debütsingle der kanadischen Radiogeschichte, ist das Quartett nicht mehr aus der Szene wegzudenken. Mit über 300 Millionen Streams, mehreren CCMA-Awards und JUNO-Nominierungen im Gepäck gehören sie heute zu den absoluten Schwergewichten des modernen Country-Rock.
Über sechs Jahre nach ihrem ersten Besuch in der deutschen Hauptstadt schließt sich nun der Kreis: Die Jungs sind zurück in Berlin und rocken dieses Mal die Bühne in der großen Halle. Wir haben vor ihrem Auftritt mit Frontmann James Barker verabredet, um über diesen besonderen „Full Circle“-Moment zu sprechen. Im Interview verrät uns James, warum die Band eine ganz besondere Verbindung zu ihren deutschen Fans pflegt, wieso sie nach zehn Jahren Bandgeschichte enger zusammenstehen als je zuvor und welches deutsche Kaltgetränk bei ihrer Rückkehr auf keinen Fall fehlen darf.
Ein Grund anzustoßen: 10 Jahre „Lawn Chair Lazy
CNTRY: Es ist toll, dich wiederzusehen, James! Das letzte Mal haben wir uns 2019 gesprochen – das ist eine lange Zeit her. Damals habt ihr auf den Sidestages beim allerersten C2C Festival in Berlin gespielt. Jetzt seid ihr zurück und rockt die Hauptbühne!
James Barker: Erstmal ist es Wahnsinn, dass das 2019 war. Verrückt, wie lange das her ist, oder? Ich erinnere mich noch daran, wie wir mit dir damals am Abend das Programm der Main Stage angeschaut haben, nachdem wir die Akustik-Sachen spielten. Dass wir nun zurückkommen und auf genau dieser Bühne stehen dürfen, ist ziemlich cool.
Für euch als Band schließt sich quasi der Kreis. Von den kleinen Bühnen auf die Große.
Definitiv. Es wird ein Fest dort oben. Letztes Mal waren wir auf den Side Stages so gut wie rein akustisch unterwegs, eben sehr reduziert. Das wird also ein großartiger Tag. Nach uns spielen dann nämlich auch noch viele Leute auf der Hauptbühne, auf die wir uns freuen.
Beim Festival 2019 hatte ich keine Ahnung, wer ihr seid. Dann waren wir auf der Aftershow-Party in der Rooftop Bar und ich ging auf den Balkon, um eine zu rauchen. Da saßen dann ein paar Englisch sprechende Typen am Tisch, die meinten: „Komm rüber, wir teilen eine mit dir.“ Das wart übrigens ihr. Wir hatten dann eine richtig gute Zeit. Es war ein wirklich lustiges Wochenende. Aber wenn du selbst daran zurückdenkst: Was waren deine Lieblingsmomente hier?
Oh Mann, da gibt es viele. Ganz klar die wunderschönen Landschaften und die vielen Gegenden zu sehen – dieser Teil ist immer fantastisch. Was die Shows angeht, herrscht einfach ein anderer Vibe. Wenn man Shows in Europa und speziell in Deutschland spielt, scheinen die Leute sich wirklich aufrichtig dafür zu interessieren. Sie sind nicht passiv da. Sie sind dort, weil sie deine Musik wirklich mögen. Wenn die Leute bei den Shows sind, kennen sie die Songs, sie haben sie studiert. Die Leute sind aufmerksamer. Sie passen auf und es ist ihnen wichtig. Man hat nicht das Gefühl, vor einem Raum voller Menschen zu spielen, die einen die ganze Zeit ignorieren und sich mehr darauf konzentrieren, ein Bier zu bekommen. Daran ist natürlich nichts falsch. Aber das ist die Sache, die wir hier festgestellt haben und die die Shows für uns sehr besonders machen.
Ihr habt dann im Herbst 2019 eine ganze Europatour gespielt. Das deutsche Publikum ist normalerweise sehr ruhig und zurückhaltend, aber bei eurer Show haben sie mehr gerockt als üblich.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir unsere Anfänge in Clubs und Bars hatten. Schon da war es für uns eine Herausforderung sicherzustellen, dass jeder eine gute Zeit hat. Wir versuchen das direkt beim ersten Song, bei der ersten Note. Wie können wir alle mitreißen? Das ist wie eine persönliche Challenge für uns. Es freut mich, dass dir das aufgefallen ist, denn genau das ist unser Ziel. Wir wollen, dass die Leute so viel Spaß wie möglich haben. Manchmal sind die Leute schüchtern und trauen sich nicht so recht. Da muss man sie auch Mal ein bisschen aus der Reserve locken.
Ich fand das wirklich beachtlich! Ich war schon auf vielen Konzerten, bei denen Bands eine total coole Show abgeliefert haben, aber das Publikum total ruhig blieb. Das ist immer schwierig mitanzusehen.
Die Deutschen sind einfach eher reserviert. Wir sagen das öfter auch über bestimmte Gegenden in Kanada und Amerika. An manchen Orten sind die Leute von Anfang an völlig außer sich, an anderen muss man sich das erarbeiten. Ich glaube, manche Leute könnte das abschrecken. Aber wenn ich im Publikum wäre, wäre ich auch nicht der Erste, der tanzt und herumalbert. Ich habe das Gefühl, dass derjenige auf der Bühne mich erst ein bisschen locker machen muss. So sehe ich das, besonders bei kleineren Shows in kleineren Städten. Man kennt wahrscheinlich einige Leute im Raum, hat Freunde dort oder Leute, mit denen man zur Schule gegangen ist. Man ist ein bisschen schüchtern, etwas zu tun, das vor diesen Leuten blöd aussieht. Als Performer musst du dem Publikum quasi die Erlaubnis geben, eine gute Zeit zu haben, um diese Mauer zu durchbrechen. Das ist für uns der spaßige Teil! Welcher Song, welcher Spruch, welche Bewegung wird die Leute wohl mitreißen?
„Ich würde gerne sagen, dass wir ein Stout wären, aber ich glaube nicht, dass wir dafür die nötige Tiefe haben.“
– James Barker

Genau so ist in der deutschen Country-Szene in Deutschland. Wir sind eine Community. Jedes Mal, wenn man zu einem Konzert geht, kennt man mindestens zehn Leute.
Exakt! Wenn sie alle eine gute Zeit haben, wirst du auch eine gute Zeit haben. Aber wenn alle anderen so aussehen, als hätten sie keinen Spaß, schließt du dich dem an.
Wenn wir Deutsche eine gute Zeit haben wollen, trinken wir normalerweise Bier. Deutschland ist natürlich bekannt für seine Bierkultur. Wenn die James Barker Band eine Biersorte wäre, wärt ihr ein spritziges, süffiges Lager oder doch ein schweres Stout?
Ich denke, wir sind eher ein genüssliches Lager. Ich freue mich natürlich sehr darauf, wieder deutsches Bier zu trinken. Obwohl wir letztes Mal echt zu viel davon getrunken haben. Aber es schmeckt einfach so verdammt gut! Wir sind wirklich eher ein süffiges Bier. Ich würde gerne sagen, dass wir ein Stout wären, aber ich glaube nicht, dass wir die nötige Tiefe dafür haben. Wir haben viel zu viel Spaß, um so ernst zu sein.
Ihr seid eine vierköpfige Band. Kannst du deine Bandmitglieder in nur einem Wort beschreiben?
Connor ist definitiv die „Party“. Bobby ist „gesund“. Das passt ziemlich gut, denn er trainiert sehr viel. Taylor ist ziemlich „pingelig“. Bei mir selbst ist es schwierig. Ich würde sagen, ich bin einfach der „Frontmann“. Es ist schwer, sich selbst zu psychoanalysieren.
Du bist halt einfach da. (lacht)
Genau, ich bin einfach da! (lacht)
Als Band feiert ihr dieses Jahr ein Jubiläum. Das zehnjährige eurer Debütsingle „Lawn Chair Lazy“. Hättest du rückblickend gedacht, dass ihr 10 Jahre später immer noch erfolgreich als Freunde zusammen tourt?
Es ist unglaublich, dass dieser Song schon 10 Jahre alt wird. Es fühlt sich nicht ansatzweise danach an. Was hatten wir für ein Glück! Viele Bands schaffen es nicht mal bis zum zehnten Jahr. Die Mehrheit schafft nicht mal die Hälfte. Sogar bei einigen der größten Bands der Geschichte ist nach weniger als 10 Jahren Schluss. Viele Bands streiten über Kleinigkeiten. Wir streiten nicht über die großen Dinge oder die großen Entscheidungen, denn wir haben alle dieselben Ziele. Wir streiten eher über die kleinen Dinge. Zum Beispiel, warum einer den ganzen Tag den Vordersitz im Auto beanspruchen muss, während der Andere hinten eingequetscht ist. Das sind die Sachen, über die wir streiten. Wir sind inzwischen wie Brüder: Wenn dich jemand nervt, sagst du es einfach. Du frisst es nicht in dich hinein, bis ein Groll entsteht. Ich denke, das ist ein Grund, warum wir schon so lange zusammenhalten.
Ihr kennt euch auch schon gefühlt ewig, oder?
Connor (der Schlagzeuger, Anm. der Redaktion) und ich kennen uns schon seit der Highschool. Daran zeigt sich, dass man nichts voreinander verstecken kann. Man kann sich bei uns eben nicht verstellen. Wir wissen halt, wo die Leichen vergraben sind. Natürlich nicht wortwörtlich, sondern im übertragenen Sinne. Man weiß alles über den anderen, also kann man sich gegenseitig nichts vormachen. Wie gesagt, es ist wie bei Brüdern.
Wenn deutsche Country-Fans euch beschreiben würden, bräuchten sie mehr als ein Wort. Sie würden wohl sagen: „Ihr seid welche von uns“, denn ihr habt angefangen herzukommen, als die ganze Country-Sache hier gerade anfing zuwachsen. Zufällig heißt euer neuestes Album „One of Us“. Der titelgebende Song landete aber weit vorher auf einem Projekt eines anderen Künstlers.
Genau! Das war auch der erste, abgesehen von ein paar kanadischen Sachen. Ich hatte zwar ein paar Nummer-eins-Hits in Kanada mit Jade Eagleson und Dean Brody. Aber das war der erste Song, den ich geschrieben hatte, den ein Amerikaner aufgenommen hat, Matt Stell, um genau zu sein. Das war definitiv eine bittersüße Angelegenheit, denn als Songwriter will man zwar all diese Möglichkeiten nutzen. Aber nachdem er ihn aufgenommen hatte, dachten wir immer wieder: „Das fühlt sich eigentlich wie ein James Barker Band Song an.“ Er ist so ehrlich und wahrhaftig gegenüber den Leuten, mit denen wir aufgewachsen sind. Ihn nun endlich auf das Album zu packen und das Album sogar danach zu benennen, fühlte sich an, als wäre es längst überfällig gewesen.
Und „One Of Us“ ist nicht nur euer neues Album, es ist euer erstes Album. Warum hat das so lange gedauert?
Als wir anfingen, Musik zu veröffentlichen, waren Singles das Maß der Dinge. Ein Song nach dem anderen. Wir haben unsere Songs aufgenommen um irgendwann eine EP daraus zu machen. Aber jetzt ist die Branche eine andere. Es war das erste Mal, dass wir uns hinsetzen konnten und gemeinsam an einen Schwung Songs arbeiteten, um herauszufinden, welche zusammen Sinn ergeben. Es ging vielmehr um diese Gruppe von Songs und darum, was sie als Ganzes aussagen sollen. Es ist einfach eine andere Zeit in der Musik. Die Leute veröffentlichen wieder ganze Alben, und ich bin froh, dass wir es so machen konnten. Es hat den Prozess einzigartig und stimmiger gemacht.
Jeder kennt irgendwen – Die James Barker Band hat „Somebody I Know“
Wird es in Zukunft mehr Alben geben oder bleibt ihr bei der Veröffentlichung von einzelnen Songs?
Ich kann mir vorstellen, dass wir ein weiteres Album machen werden. Aber das hängt davon ab, wie die Dinge zusammenkommen. Normalerweise denke ich einfach nur daran, die besten Songs zu schreiben, mit denen ich mich am meisten identifizieren kann. Ich mache mir keine großen Sorgen, ob das dann Teil eines Albums sein wird oder nicht. Wenn man einen Schwung an Songs zur Hand hat, die zusammenpassen, dann macht ein Album Sinn. Und vielleicht hat man einen Song, der ein bisschen aus der Reihe tanzt, der besser für sich allein stehen sollte. Ehrlich gesagt verbringe ich nicht zu viel Zeit damit, darüber nachzudenken. Ich konzentriere mich mehr auf das Schreiben und die Produktion.
Mein meist gehörter Songs von euch im letzten Jahr laut Apple Music war „Somebody I Know“. Lass uns darüber reden, wie dieser Song entstanden ist.
Die Story ist besonders! Ich saß mit Todd Clark, unserem Produzenten, sowie Travis Wood und einem Typen namens Blake Pendergrass in Nashville zusammen. Ich hatte einen Song in meinem Kopf, der diesen Band-Vibe hatte. Mit all diesen markanten Bass-Parts und dem Riff, der sich durch den ganzen Song zieht. Als wir die eigentliche Aufnahme zusammenstellten, dachten wir uns, es wäre cool, den Song nur mit den Drums zu beginnen. Eben etwas ungewöhnliches, da du im Country normalerweise mit einem Gitarrenriff oder dem Gesang startest. Zu diesem Song haben wir uns zu erst der Musik und dann dem Text gewidmet. Ich finde, man merkt das, weil die Musik darauf so anders ist.
Und auf welchen Song des Albums freust du dich am meisten ihn auf der Hauptbühne des C2C Festivals live zu spielen?
Das ist wirklich schwer! Ich spiele „Somebody I Know“ wirklich gerne, aber ich mag es auch sehr, „One of Us“ zu spielen, weil sich dieser Song so besonders anfühlt. Er kommt bei den Fans immer gut an. Deshalb hat er einen besonderen Platz in meinem Herzen, gerade jetzt nach der Tour, die wir in Kanada gespielt haben. An jedem Abend, war das Publikum wie gebannt darauf. Damit ist es also „One of Us“.
Hast du eine abschließende Botschaft an deine deutschen Fans?
Kommt alle zu unseren Shows! Denn wir freuen uns riesig, endlich wieder da zu sein. Und ich verspreche euch, dass es diesmal nicht so lange bis zur nächsten Tour dauern wird. Wir werden diesmal keine sechs Jahre warten.
Danke Dir, James! Hab eine gute Reise nach Berlin. Wir sehen uns sicher mit einem Drink in der Hand!
Die James Barker Band könnt ihr im März live beim C2C Festival 2026 in Berlin erleben. Tickets gibt es hier.


